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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1904-01-01 · 22.1904 · page 76

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
22.1904
Date
1904-01-01
Page
– (sequence 76)
Language
German
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IRI
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— 69 — III. Der Mensch und seine Pflichten. Auf der Gemeinschaft mit Gott als Vater der Menschen beruhen die Vorstellungen von Zweck und Aufgabe des Menschen. „Heilig sollt ihr sein", diese Mahnung, das Leben ernst und tief zu nehmen, ist der Inbegriff aller Forderungen an den Menschen, eine Aufgabe von unendlichem Wert, die sich stützt auf die heilige Natur Gottes: „nur wenn ihr heilig seid, gehört ihr mir an"1). Welcher Art dachten sich die Pharisäer den Menschen? Zusammengesetzt aus Leib und Seele, mit einem Anteil an der niederen Welt der Körper und an der höheren der Geister. Die Seelen aller Menschen sind von Gott bei der Weltschöpfung mitgeschaffen2), ruhen bei ihm und gehen bei der Geburt in den Körper ein. Die Seele ist von Haus aus rein, Gott selbst, der sie dem Menschen eingehaucht, behütet sie, aber durch Berührung mit dem Körper wird sie befleckt. Darum wurde lange Zeit darüber gestritten, ob es besser war, dass der Mensch geschaffen wurde, oder dass er nicht geschaffen worden wäre. Es überwog schliesslich die pessimistische Anschauung, es wäre besser gewesen, er wäre nicht geschaffen worden, denn dann würden die Seelen sich rein erhalten haben; aber nachdem er einmal erschaffen ist, soll der Mensch auf sein Tun Acht haben und seine Seele rein zu erhalten streben3). Die Möglichkeit dazu ist dem Menschen gegeben. „Gott hat dir die freie Wahl überlassen, wenn du willst, beobachtest du die Gebote und beweisest wohlgefälligen Glauben; er hat dir *) Mech. 98 a. 2) b. Hagiga 12 b unten. 3) b. Erubin 13 b. Auf welchem Wege diese aus dem Piatonismus stammenden und in Alexandrien vorherrschenden Ideen zu den älteren Kabbinen drangen, ist nicht klar; /sie reihen sich dem System nicht gut ein,

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