Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 22.1904
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 75)
- Language
- German
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- 68 — aber bist gerade, weil wir Sünder sind, der Barmherzige genannt. Denn gerade weil wir nicht Werke der Gerechtigkeit haben, wirst Du, wenn Du einwilligst, uns zu begnadigen, der Gnädige heissen" (8,31 f.). Die Anschauung, „die einen Schatz von Werken" als Voraussetzung für die Gnade fordert, steht tief unter der pharisäischen von der ohne Rücksicht auf das Verdienst gewährenden Vaterhuld Gottes. Für die bessere Welt, die dieser Glauben eröffnet, haben Millionen mutig geduldet, belebt durch die Gewissheit der göttlichen Gnade. „In unserer Drangsal rufen wir dich an um Hilfe, Und Du wirst unsere Bitte nicht abweisen, Denn Du bist unser Gott"1). So zeigt sich in dem Gottesbegriff der Pharisäer die grosse Paradoxie jedes wahren Glaubens. Ein über weltlicher, allgewaltiger Gott, vor dem der winzige Mensch in Scheu und Zittern steht; und dennoch tritt er mit Vertrauen und Freimut ihm nahe, Gottes Liebe zieht ihn zur herzlichsten Innigkeit heran2). 0 Ps. Sal. 5,5. 2) Diese bedeutsame Paradoxie kennt Bousset 422 nur bei Philo, sie findet sich aber auch Sifre Deut. 32 (73 a): mpaa n»n*j nm» mpoa narrn*^ izhs n*apn mos vhx nanx.