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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1904-01-01 · 22.1904 · page 74

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
22.1904
Date
1904-01-01
Page
– (sequence 74)
Language
German
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IRI
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\ Thrones sind, heisst es nun, „die Welt ist von Anbeginn an nur Imit Güte geschaffen worden"1). „In den verschiedenen Richtungen sieht und erkennt der Fromme die Güte und Barmherzigkeit Gottes. Wenn er seinem Volk und seinen Frommen hilft, wenn er sie vor Unglück im öffentlichen und privaten Leben bewahrt, wenn er ihnen seine geheimnisvollen Offenbarungen enthüllt, vor allem aber wenn er ihnen Sünde und Schuld vergibt, wenn er die auf falschem Wege wandelnden zurückruft, ihr Geschick wendet und ihre vielen Sünden nicht ansieht, ist er der gnädige Gott2). — Gottes Gnade, die dem Menschen ohne sein Verdienst das Gute als Geschenk beschert, ist ihm der sicherste, ein unverlierbarer Besitz. Nicht auf gute Werke baut er vor Gott, an seine väterliche Gnade wendet er sich und erfleht von ihr als freie Gabe Heil und Glück. „Zwei gute Fürsprecher hatte das Volk Israel, Moses und David, die beide bei der Bitte um Verzeihung ihrer Sünden sich auf ihre Verdienste hätten berufen können, und dennoch erflehten sie sie als Beweis der Gnade, um wie viel mehr soll der Durchschnittsmensch es tun, der auch nicht im entferntesten an jene heranreicht"3). Der göttlichen Barmherzigkeit ist er gewiss, Gott lässt seine Gnadenbeweise allen Menschen ohne Unterschied zu teil werden, nicht den Guten allein, sondern auch den Frevlern und Götzendienern4). Infolge der mannigfachen Schicksalsschläge und der traurigen Zeichen der Zeit ist in gar manchem auch der feste Glauben an Gottes Güte erschüttert worden; an die Stelle der zuversichtlichen Stimmung des pharisäischen Glaubens trat bei solchen eine düstere Besorgnis vor der Zukunft, eine zitternde Furcht vor Strafgerichten. Besonders das IV. Buch Esra vertritt diesen kopfhängerischen Pessimismus. Aber auch dieser Verfasser, der alles Unglück aus den zahlreichen Sünden und dem Mangel an Verdiensten hervorgegangen sein lässt, hat trotz seiner Verirrung das Vertrauen zu Gottes Huld noch nicht verloren: „Du *) Mech. 42 b, vgl. das. 97 a: »aSiy »ntna n^ama». 2) Bousset 363. 3) Sifre Deut. 26 (70b), vgl. das. Num. 41 (12a) wn fiafiöa nsirm. <) Mech. 69 a: jr»a»öi p*ra oSiyn wa bsh pro p'BDB r\yv bszv ru»a» 'naiy mytsnn «]K xhx na^a D'pnxm nn»3n m« *aaS »hi |»i vi W> niT miay. Zur Sacbe ist zu vgl. Cohen, Liebe u. Gerechtigkeit, S. UOff.

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