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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1904-01-01 · 22.1904 · page 72

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
22.1904
Date
1904-01-01
Page
– (sequence 72)
Language
German
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IRI
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1 - 65 - gegen das Niedere und Gemeine. Er fordert Sühne für Vergehungen gegen seinen heiligen Willen, gerade mit seinen Nächsten geht er am strengsten ins Gericht und duldet Unrecht auch nicht um Haaresbreite1). Das Vaterverhältiiis bedingt völliges Vertrauen in den Richterspruch Gottes, es gibt nach der Meinung der Pharisäer keine schlimmere Ketzerei als zu sagen, „die Welt sei ohne Gericht und ohne Richter"2). Der Fromme pflegt im Gegensatz hierzu Gottes Urteil über ihn als gerecht anzuerkennen3); „liebe Gott mit deinem ganzen Vermögen, bei jedem Masse, das er dir zumisst, sowohl bei der Erteilung des Glücks, (wie bei der der Strafe4). Die Ueberzeugung von der liebelvollen Gerechtigkeit Gottes gehört zur Grundlage des jüdischen Glaubens und zu den Unterscheidungsmerkmalen gegen Idas Heidentum. Das Gebot der Schrift (Ex. 20, 23) „Ihr sollt mir keinerlei Götter von Silber und Gold machen" wird erläutert: Ihr sollt mit mir nicht verfahren, wie die Heiden mit ihren Götzen verfahren; wenn Gutes-über sie kommt, ehren sie ihre Götter, wenn aber Böses über sie kommt, verfluchen sie ihre Götter. Ihr hingegen danket mir, wenn ich Glück über euch bringe, und danket mir, wenn ich Unglück über euch bringe5). Das jüdische Volk preist darum auch im Leiden dankend sein Los, das schön ist wie das keines anderen Volkes6). Mit derselben Fre udigkeit nimmt auch der einzelne Fromme sein Geschick hin, „was Gott tat, das ist wohlgetan", ist der Wahlspruch Akiba's7). „Ein Gerechter achtet es nicht gering, wenn er vom Herrn gezüchtigt wird; sein Wohlgefallen hat er doch allezeit. Strauchelt der Gerechte, so erkennt er des Herrn *) b. Jebam. 121b. 2) Ber. rab. cap. 26 g. Ende. 3) Sifra 45 a: pnn n« nn»Vy D»p»*wo» o»pnx onuA 4) Sifre a. a. 0. u. Ber. IX, 5 njnn fiaS m» a»n. 5) Mech. 72 b. Der hier gegen das Heidentum erhobene Vorwurf ist nicht aus der Luft gegriffen, sondern beruht auf tatsächlichen Vorkommnissen. In Rom wurde das Standbild des Neptun zerstört, weil er römische Schiffe hatte scheitern lassen (Sueton, Aug. 16), die Tempel wurden mit Steinen beworfen, und Götteraltäre umgestürzt, weil die Götter den Tod des Germanicus zugelassen hatten (Sueton, Calig. 6).—Es verlohnte der Mühe zu untersuchen, welche Anklagen des Judentums gegen das Heidentum auf Tatsachen zurückgehen, und welche unbegründet sind. 6) Sifre Deut. 63 (86 b). ') b. Ber. 60 b. 5

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