Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 22.1904
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 69)
- Language
- German
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- 62 - Gott einzig sein "wird in der Welt und seine Herrschaft währet immer und ewig" *), gehört in das Kapitel der Zukunftshoffnungen. Nur eine spezielle Anwendung des Gedanken von der innigen Gemeinschaft zwischen Gott und Mensch ist die Bezeichnung Gottes als Vater; „unser Vater", oder „unser Vater im Himmel" sind eine ständige Anrede im Gebet. Das „Vater Unser" und der Gedanke der GottesMndschaft sind nicht Errungenschaften des Christentums, sondern lange vor Jesus hat sich das Judentum desselben Bildes bedient, um „dem inneren Zusammenschluss mit Gottes Willen und Gottes Reich und der freudigen Gewissheit im Besitz ewiger Güter und in Bezug auf den Schutz vor dem Uebel" einen entsprechenden Ausdruck zu verleihen. Dass Gott Israels Vater sei, ist eine stehende Anschauung der Bibel, aber die Völker sind sämtlich Gottes Söhne und Israel nur sein erstgeborener Sohn, der einen besonderen Rang einnimmt (Ex. 4. 22). „Geliebt sind die Israeliten, denn sie heissen Kinder Gottes, besondere Liebe Gottes ist es, dass ihnen kundgetan ward, dass sie Gottes Kinder heissen, wie gesagt ist (Deut. 14.1): „Kinder seid ihr dem Herrn, eurem Gotte"2). Dieses Schutz- und Vertrauensverhältnis, in das Gott das Volk Israel zu sich gestellt hat, ist ein unbedingtes und unauflösliches, ganz so wie das zwischen dem Vater und seinem Kinde nicht von bestimmten Leistungen abhängig ist. „Auch wenn sie töricht sind, wenn sie entartet, wenn sie voller Fehler sind, heissen sie dennoch Kinder Gottes"3). Die Israeliten sind gewissermassen die Hausgenossen Gottes und er als Familienoberhaupt von Fürsorge und Liebe für die Kinder erfüllt. Josua's Sieg über die Amalekiter wurde nicht dadurch errungen, dass Moses die Hände hochhielt, ebensowenig wie Heilung von Leiden durch den Aufblick zur kupfernen Schlange in der Wüste; sondern der Sieg oder die Heilung kamen, wenn die Israeliten emporblickten zur Höhe und ihr Herz auf ihren himmlischen Vater richteten4). J) Mech. 66 a; der Aussprach rührt von Elieser b. Hyrkanos her (s. Bacher I, 148), nicht von Jehoschua b. Chananja, wie Dalman 81 schreibt. 2) Abot HI, 14. s) Sifre Deut. 308 (133 a, bj. *) Rosch ha§. HI, 6.