Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 22.1904
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 68)
- Language
- German
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— 61 — durch die Gesetzgebung am Sinai sich der Gottesherrschaft unterworfen und ist derselben treu geblieben; wenn es von dem Bunde mit Gott abfallt, streift es seine Herrschaft ab1). Durch Gebet und durch Beseitigung aller Gedanken, welche störend zwischen den Menschen und seinen Schöpfer sich drängen, Gemeinschaft mit Gott suchen, Gottes Einheit anerkennen, Sinn und B[erz unbedingt seinem heiligen Willen unterwerfen, wie das Gebot der Liebe zu Gott im Schema-Gebet es fordert, das sind die Bedingungen für den Eintritt in das Gottesreich. Das tägliche Lesen des Schema wird betrachtet als ein stets wiederholtes „Aufsichnehmen des Jochs der Gottesherrschaft" Siy nSap &w ma^o2). Der Fromme lebt ständig unter ihr, er betrachtet ihr Joch als sein höchstes Glück; „ich will nicht auf euch hören, das Joch der Gottesherrschaft auch nur eine Stunde von mir abzutun"3). Die Lehre, dass das Gottesreich im Menschen sei, ist von Harnack4) Jesus als ihm eigentümlich zugeschrieben worden; doch ist dabei übersehen, dass Jesus bezeichnenderweise sie als Antwort auf die Frage der Pharisäer: „Wann kommt das Gottesreich?" vorgetragen hat. Und schon Lightfoot deutet sie nach Anführung mehrerer rabbinischer Stellen in dem Sinne; „eure eignen Schulen lehren ja, dass das Gottesreich im Menschen selbst sein solle"5). Der Begriff DW roata hat auch eine eschatologische Bedeutung. Die Gottesherrschaft ist in diesem Äon nur in Israel völlig anerkannt, die Zukunft wird eine vollere Entfaltung bringen, die Völkerwelt wird Gott unterworfen werden, „jedes Geschöpf erkenne, dass Gott es geschaffen, jedes Gebilde begreife, dass er es gebildet."6) Israel, das jetzt unter Fremdherrschaft steht, wird von der Macht der Völker befreit 'und ist nur Gott Untertan, „er regiert über es allein in Huld und Barmherzigkeit, in Gnade und Eecht".7) Doch die Idee dieser Zeit, „in der ') Sifra 93 d. 2) Berahot II, 2. 8) Berahot n, 5. 4) "Wesen des Christentums 35 f. 5) Eschelbacher in Monatsschrift 46, 1902, p. 410. 6) Der Gedanke der ni»»ta im Neujahrsgebet ist natürlich weit älter als die Compositum von ') Schmone Esre No. XI.