Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 22.1904
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 67)
- Language
- German
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— CO — irdischen Beschützer gebräuchlich sind, auf Gott übertragen werden. Er ist ihr Gott, ihr Vater, ihre Stärke, ihr Hirte, ihre Hoffnung, ihre Rettung, ihre Sicherheit, ihr Herz. Mit einem. Wort, es giebt keine Bezeichnung eines Zärtlichkeitsverhältnisses in der Sprache, wie Bruder, Bräutigam, Mutter, das nach Ansicht der Schriftgelehrten in der Bibel nicht verwendet ist, um die innigen Beziehungen Gottes zu den Menschen zu kennzeichnen.1) Ganz besonders aber werden zwei Begriffe zum Ausdruck dieses Gedankens verwendet: Gott als König der Welt und als Vater im Himmel. Es ist ohne weiteres klar und unbestritten, dass diese letztere Bezeichnung ein besonders liebevolles Verhältnis ausdrückt; die andere aber scheint auf den ersten Blick an das rechtliche Verhältnis zwischen König und Untertan, zwischen Herr und Knecht zu erinnern, „es scheint in dem Wort ein Klang von der Willkür des Tyrannen und der Unnahbarkeit des Despoten mitzuklingen"2). In den ergreifendsten Gebeten der jüdischen Frommen, die am unmittelbarsten aus dem Herzen quellen, werden beide Ausrufe neben einander gestellt. — „Unser Vater, unser König, wir haben gesündigt vor Dir, Du bist unser Vater, wir haben keinen König ausser Dir! Um Deinetwillen erbarme Dich unser", so betet R. Akiba in einer grossen Kalamität;3) im Sinne der Gläubigen kann ihre Bedeutung demnach nicht weit von einander entfernt gewesen sein. Gott als König und die Herrschaft Gottes4) — oder wie der technische Ausdruck lautet: Herrschaft des Himmels dsö# nvbo — sind nach Anschauung der Pharisäer den weltlichen Reichen, der Abhängigkeit von Menschen, entgegengesetzt. Die Herrschaft Gottes dauert von Ewigkeit her, sie findet ihre Verwirklichung auf Erden, seitdem es Menschen gibt, die sich zu Gott bekennen; „ehe Abraham in die Welt kam, war Gott gleichsam nur König über den Himmel, als aber Abraham kam, machte er ihn zum König über Himmel und Erde"5). Das Volk Israel hat J) Schechter in JQR. VI, 634. 2) Bousset 354. ») b. Taan. 25 b, vgl. Dikduke Soferim z. St. 4) Vgl. zum Folgenden Schechter in JQR. VI, 640ff. VII, 195ff. und Dalman 79 ff. *) Sifre Deut. 313 (134b).