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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1904-01-01 · 22.1904 · page 66

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
22.1904
Date
1904-01-01
Page
– (sequence 66)
Language
German
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IRI
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59 — Individuums nur sein sittliches Verhalten massgebend. Der geborene Jude verlor seinen Wert, wenn er den Weg der Tugend verliess — „wenn er mit der Offenbarung in Verbindung ist, gleicht er den Engeln, wo nicht, dem stumpfen Tier, das seinen Eigentümer nicht kennt"1) —; der Heide, der ihn inne hielt, wurde dem Hohepriester gleichgestellt.2) Herodes und seine Familie, die nach Weise der heidnischen Despoten regierten, blieben den Juden immer ein Greuel, dem frommen König Agrippa rief die ganze Gemeinde mit warmer Liebe zu: „Du bist unser Bruder"3). Treuherzige Proselyten standen auf derselben Stufe wie die leiblichen Nachkommen Abrahams, im täglichen Gebet wurde neben den Frommen und den Märtyrern auch ihrer gedacht4). Das Königshaus von Adiabene mit seinen frommen Mitgliedern erstrahlt im rabbinischen Schrifttum in wahrhaft davidischem Glänze. II. Verhältnis der Frommen zu Gott. In welchem Verhältnis die einzelnen Menschen zu Gott standen, oder welcher Art sie selbst ihre Beziehungen zu ihm empfanden, das werden wir am besten aus den Aussagen erkennen, die sie von Gott machen. Der einmalige Akt der Schöpfung wird fortgesetzt durch Gottes ständige Weltleitung. Seine Vorsehung5) erstreckt sich über alle Geschöpfe, seine Fürsorge wendet sich ihnen unaufhörlich zu. „Die Vögel und die Fische nährst du, indem du der Steppe Regen gibst, damit das Gras sprossen kann. Du schaffst Futter auf der Trift für alles Getier, und wenn sie hungern, so erheben sie ihr Antlitz zu dir. Die Könige, Fürsten und Völker nährst du, o Gott, und wer ist des Armen und Dürftigen Hoffnung, wenn nicht du, Herr?" (Ps. Sal. 5,9ff.) Dieses felsenfeste Gottvertrauen bewirkt, dass alle die Namen, die für liebevolle Fürsorger, für die treuesten und teuersten 1) Sifre Num. 119 (39 b): DKiivwn osSoa mn nn vea n*m» mwnw n:ip dk maa ruw nonaai n>ro an nn wh. 2) b. Sanhedr. 59a, Ab. Zara 3a: «in niina pow o^ß "ttV iS'sk hm insa, vgl. auch Sifra 86 b. 8) Sifre Deut. 157 (105 b\ vgl. b. Sota 41a. *) In der XIII. Bitte der Schmone Esre pnsn »*u byi . . . o«pnsn by. 6) Dass durch Gottes Vorsehung die Willensfreiheit nicht beeinträchtigt . wird, ist bereits oben S. 14 bemerkt.

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