Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 22.1904
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 65)
- Language
- German
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- 58 - lyten freundlich zu sein und Demut gegen sie walten zu lassen1); an dem Segen für sein Volk lässt er auch sie teilnehmen2). Dabei waren die Forderungen, die an den Proselyten gestellt wurden, sehr gering an Zahl, es genügte, dass er sich vom Polytheismus lossagte. „Giebt einer den Götzendienst auf, dann gilt es, als hätte er sich zur ganzen Thora bekannt"3). Mit dem Polytheismus war ein sittenloses Leben verknüpft, der Monotheismus führte notgedrungen zu Ethik und Sittlichkeit, das war eine so offenkundige Thatsache, dass den Heiden selbst das Wort in den Mund gelegt wird „der Gott Israels verabscheut die Uhsittlichkeit".4) Der reine Glauben, das erhabene Sittengesetz und vor allem das höchst sittliche Leben der Juden übten auf ernste und tief angelegte Naturen eine starke Anziehungskraft aus, als „Gottesfürchtige" schlössen sie sich zahlreich dem Judentum an5). Von einem Hass gegen die Fremden kann demnach keine Rede sein, es war dafür gesorgt, wie Josephus es treffend bezeichnet, „dass einerseits unser heimisches Leben nicht verdorben würde und anderseits diejenigen, die sich daran anzuschliessen wünschten, keine abstossende Behandlung erführen" (Ap. II, 28). Gehasst wurde die Zügellosigkeit und Schamlosigkeit der Griechen und Römer, Circus und Theater, die Stätten, die damals vornehmlich der Herabwürdigung der Menschenehre dienten, sind das typische Beispiel heidnischer Verworfenheit. Ebenso wurden die Werkzeuge der römischen Herrschaft in Judäa verabscheut, die Zöllner, die Helfershelfer einer Verwaltung nach verrinischem Muster, einer Herrschaft, die in Hinrichtungen und allerlei Grausamkeiten sich betätigte6). Im übrigen aber war für die Beurteilung des ') Sifre Num. 78 (21 a): niay nna xavfn nnjf? a*a»nS towfr mpamp*. 2) Ibid. 39 (12 aj paonaS roia; man vergleiche auch Mech. zu Ex. 22,20 (95 a) den Absatz onan pawi. 3) Sifre Deut. 54 (86 b): mw mwn bx mioa vyn nswn bz, vgl. das. Num. 111 (31bf.) und Mech. 67a: »a» pam mm bz* t*j? ]D jnsa *a« nwpa nnn« nnana. *) Sifre Num. 167 (69 b): sin not »ow £k bv orrm«. S. Joel, Blicke II, 101, Anm. s) Vgl. Eschelbacher in Monatsschrift 1903, 443 ff., 514 ff., wo die zahlreiche Literatur hierüber verzeichnet ist. 6) Sifre Deut. 323 (138b): laop ounano on" «ipinn n« am \na nntwo voo wshm woo mriwn «oo nvran mnT5« mos. Vgl. Jos. Ant. XVIII, 6, 5.