Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 22.1904
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 64)
- Language
- German
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- 57 - über sich gesetzt1). Es war ein selbstverschuldeter Abfall und damit der immer tiefere Niedergang des sittlichen Lebens herbeigeführt. Musste es nicht als Gotteslästerung gelten, wenn man das Leben, das man täglich beobachten konnte, unter der Herrschaft des heiligen Gottes sich dachte? Die verschiedenartigsten Schriftsteller der ersten Kaiserzeit2) stimmen überein in der Schilderung der heidnischen Sünden: „Sie begnügen sich nicht mit dem Irrtum in der Gotteserkenntnis, sondern leben im grossen Kampfe mit der Unwissenheit fort und preisen diese Uebel gar als ein Glück, indem sie kindesmörderische Feste, oder geheime Mysterien, oder wilde Gelage mit absonderlichen Gebräuchen abhalten3); sie beobachten weder Leben noch Ehe in ihrer Reinheit, einer tötet den anderen meuchelmörderisch oder kränkt ihn durch Ehebruch. Alle beherrscht zusammen Blut und Mord, Diebstahl und List, Falschheit, Treulosigkeit4), Unordnung, Meineid, Beunruhigung der Guten, Undank, Befleckung der Seelen, Geschlechtsvermischung, ungesetzliche Ehe, Ehebruch und Geilheit. Denn die Verehrung namenloser Götzen ist Veranlassung, Anfang und Ende alles Uebels". Neben so tiefer Entrüstung über die Greuel des Heidentums geht nun aber auch eine mildere Beurteilung desselben einher. Vielleicht war es doch nur ein Irrtum und nicht selbstverschuldete Verirrung?5) Es gab ja doch genug Heiden, die vom besten Willen beseelt, von einem tiefen religiösen Sehnen ergriffen waren? „Die Heiden sind auf dem Wege, sich zu bekehren6) und sollen aufgenommen werden; wer da kommt um sich zu bekehren, tut es aus Sehnsucht nach dem wahren Gott, darum nimm ihn auf und stosse ihn nicht von dir7). Gott hat dem Volke Israel den direkten Befehl erteilt, den Prose- *) Pirke di R. El. 24, vgl. Sifre Deut. 343 (142 b), Mech. 67 a. 2) Vgl. das hier angeführte Stück der Weisheit Salomo's 14,22—27, Sibyll. IV, 31 ff., Paulus in Rom. I, 19—32. Der Talmud an vielen Stellen. 3) Vgl. Sifre Dt. 213 p. 113 a. *) Vgl. Mech. 63 a. •) Beide Arten der Beurteüung des Heidentums finden sich auch bei Paulus im Römer und Galaterbrief, vgl. Pfleiderer I, 212 f. °) ]n tmvrh panp o»un Mech. lb, 2 a.. 7) Mech. 58 af.: qtt nnst? mwh *6h *o insnnS ■fttKD-w »aera nn« «)« inp'nnn $h\ vanp nw.