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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1904-01-01 · 22.1904 · page 60

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
22.1904
Date
1904-01-01
Page
– (sequence 60)
Language
German
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IRI
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abgerundeter Systeme darüber kam es nicht oder sie wurden nur den Eingeweihten mitgeteilt1). Dass die Welt nach einem vorgezeichneten Plan geschaffen wurde, wird wohl bisweilen erwähnt2), aber deutlicher ist nie davon die Rede. Auch ein Werkmeister der Schöpfung erscheint in der Literatur, und als solcher wird die Thora genannt. Diese Anschauung geht auf die Spruchdichtung zurück, wo die Weisheit von sich rühmt, von Gott am Anfang seines Schaffens bereitet und bei der Schöpfung der Welt ihm als Büdnerin zur Seite gestanden zu sein. So werden die Thora und die Weisheit auch später in der palästinensischen Literatur als schöpferische und gesetzgebende Vernunft Gottes besungen3). Aber auch das Wort Gottes wird in derselben Bedeutung verwendet, denn auch das Wort Gottes wird in den Psalmen und Propheten als Werkzeug des göttlichen Willens ausgesandt, um zu wirken; und mit zehn Worten, sagte man schliesslich, hat Gott die Welt geschaffen4). Was bedeutet diese Redeweise? Wollte man damit neben Gott noch ein anderes, oberstes kosmologisches Prinzip stellen, das Wort oder die Weisheit als gesonderte Vermittler der göttlichen Ursächlichkeit bei der Schöpfung der Welt und des Menschen auftreten lassen — eine Anschauung, die durch dieJAusbildung der Lehre vom Logos bei den Alexandrinern und durch deren Uebergang in das Christentum unendlich viel zur Trübung der Grundlehre von der göttlichen Einheit beigetragen hat? Ganz im Gegenteil. Innerhalb des Judentums habenj diese Begriffe den Wert von Hypostasen nie angenommen, die Einheit Gottes wurde nie dadurch in Frage gestellt5). Ebensowenig war es durch die Annahme von Engeln der Fall, denn man glaubte nicht etwa, dass sie gesondert und ständig existierende Wesen sein, die Annahme ging vielmehr dahin, dass'sie ephemere, für einen bestimmten Zweck jedesmal ins Leben gerufene Schöpfungen wären. Geister und Dämonen als Sonderwesen neben Gott spielen im apokalyptischen Schrifttum eine grosse Rolle, das pharisäische kennt diese Wesen nur als die jedesmal be- *) nts»nb Gen. r. cap. 3.?) Gen. r. cap. XII. 3) Vgl. darüber Döllinger, Heidentum und Judentum, S. 824f. <) Abot V, 1. fi) Erst mit dem Gnostizismus trat eine vorübergehende Verwirrung ein.

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