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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1904-01-01 · 22.1904 · page 59

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
22.1904
Date
1904-01-01
Page
– (sequence 59)
Language
German
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IRI
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Die Wunder des Erdenrunds, die Vollendung der natürlichen Weltordnung — mit einem Wort das kosmologische Argument — müssen in dem Menschen den Glauben an die Schöpferkraft Gottes befestigen — „Wie das Haus auf seinen Baumeister, das Kleid auf den Weber des Stoffes, die Tür auf den Zimmermann hinweisen, so weist die Welt auf Gottes Schöpfertätigkeit') —; aber „wer grübelt über vier Dinge, über das, was oben, was unten, was vom, was hinten ist, von dem wäre es besser, er wäre nicht auf die Welt gekommen; wer nicht Acht hat auf die Ehre seines Schöpfers, von dem wäre es besser, er wäre nicht auf die Welt gekommen"2). Ueber das „Wie" der Weltschöpfung gibt es nur eine Aussage: die Welt ist von Gott aus dem absoluten Nichts ins Dasein gerufen. „Euer Gott ist ein grosser Maler, sagte ein Philosoph in Rom zu R. Gamliel, aber fand er, als er die Welt schuf nicht in Finsternis, Tohu wabohu etc. die Farben vor? R. Gamliel weist ihm nach, dass die heilige Schrift diese Dinge selbst als geschaffen ansieht3). Wo man auf das „Wie" der Schöpfung einging, begegnen uns die naivsten Anschauungen in den pharisäischen Kreisen. Um dem Kaiser Hadrian die Vorstellung von der Weltschöpfung einleuchtender zu machen, führte Josua b. Chananja ihn in ein winziges Gemach, dessen Decke und Wände er mit den Händen berühren konnte; so habe auch Gottes Schöpferkraft alle Räume des Universums erreichen können4). Gelegentlich erscheint auch die seltsame Vorstellung, dass die Welt auf einem Stein aufgebaut sei, dessen Ort im Mittelpunkt des Allerheiligsten im Tempel zu Jerusalem zu suchen wäre, und der darum der Grundstein rrow ]2ü hiesse (Joma V, 2). Ebenso wird die Anschauung ausgesprochen, dass das Licht nur ein Abglanz des göttlichen Glanzes sei u. a. m.5), im ganzen einzelne naive Meinungen, die zeigen, wie man der Rätsel der Schöpfung Herr zu werden suchte, aber zur Ausbildung J) Midr. Temura, Ende in Jellinek's Bet ha-Midrasch 1,114. 2) Hagiga n, 1. 8) Gen. r. cap. 1, Bacher I, 86. *) Ibid. cap. 10, vgl. auch das Bild von den Zwirnsknäueln, die Gott nach den sechs Richtungen des Raumes ausdehnt und unter einander mengt. Bacher \ 177f. s) Zahlreich sind solche phantastische Annahmen in den Pirke di R. Elieser vertreten.

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