Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 22.1904
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 58)
- Language
- German
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- fei - entwaflnete durch den Opfermut, mit dem es für die Religion zu sterben bereit war?1) Das jüdische Volk hat durch ein Martyrium ohnegleichen Zeugnis dafür abgelegt, welche unmittelbare Gewalt die Gotteslehre in ihm gewonnen hat; nur ein Berge versetzender, lebendiger Glaube befähigt zu solch entsagungsvollem Heroismus. Die vorangegangene Betrachtung zeigte uns die strengste Betonung der Ueberweltlichkeit und Ausserweltlichkeit Gottes. Die Beziehungen Gottes zum Weltall werden hergestellt durch den Glauben an Gott als Schöpfer. Gott ist der allmächtige Schöpfer des Himmels und der Erde und alles was sie füllt. Dieser Satz ist nicht die Frucht einer philosophischen Unterweisung, nicht die Folge spekulativen Forschens, sondern eine Ueberzeugung, die im Volke lebt, und der Grundgedanke des gesamten religiösen Glaubens. Die Begeisterung, welche den Propheten erfüllt, wenn er ausruft: „Hebet eure Augen nach oben und sehet, wer hat diese geschaffen"2), überkommt auch Sirach, wenn er das gewaltige „Lob Gottes als des mächtigen und weisen Herrn der Natur" singt; in diesem Hymnus wird seine Sprache voller Poesie wie die der Psalmisten. Auch die Bede der Schriftgelehrten nimmt dichterischen Schwung, an, wenn sie von Gott predigen, „welchem gehören die finstere Nacht und der Tag und die Sonne, die Sterne und der Mond und das fischreiche Meer und die Erde und die Flüsse und die Mündung der immer rinnenden Quellen, und die Regengüsse zugleich, die die Frucht des Feldes hervorbringen und die Bäume und die Weinstöcke und die Oelbäume3)". Dieselbe Begeisterung geht durch die ganze Literatur der Zeit4). Darin spricht sich ein naiver Glaube aus, denn ebenso wenig wie über das Wesen Gottes wurde über die Art seiner Schöpfung spekuliert. Auch das allzuviele Grübeln über n&ya wann galt als einem gesunden, lebendigen Glauben nur nachteilig. *) Vgl. Graetz Hl, 271. 341ff. 2) Jes. 40,26. 8) Sibyll. IV, 13 ff. (Kautzsch ü, 201), *) Vgl. Bousset 296. Die Darstellung B.'s berücksichtigt auch hier nur die nichthebräische Literatur, und kommt darum zu einem falschen Urteil. Ein Wort für Schöpfer z. B. hat das Hebräische in späterer Zeit genau so wenig wie die Bibel, und die Gedanken über die Schöpfung sind im Talmud ganz andere als die der Apokalypsen.