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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1904-01-01 · 22.1904 · page 57

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
22.1904
Date
1904-01-01
Page
– (sequence 57)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273589--1102-2274879
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- 50 — Adonai ausgesprochen, was den Anlass zur Uebertragung von xvqloq in den griechischen Bibelübersetzungen und zu dem deutschen „Herr" gegeben hat. Hingegen war in Palästina Herr als Gottesnamen nicht im Gebrauch, nur im Gebete kam es bisweilen vor (doch immerhin recht selten), dass die Anreden „mein Herr", „unser Herr im Himmel" verwendet wurden1). Als die Bezeichnung Adonai im Kultus sich eingebürgert hatte, wurde sie im gewöhnlichen Gebrauch gleichfalls vermieden; statt ihrer wurde es selbst bei Schriftcitaten, Sitte Dti>n, der Name (Gottes) zu sagen2). Der Gottesname wurde, wo es angängig war, fortgelassen, oder es wurden Umschreibungen und vorsichtige Redeweisen für denselben angewandt. Gott vermögen wir nicht zu erkennen, aber seine Werke sind uns zugänglich, ihnen werden die Bezeichnungen für die Gottheit entlehnt. Wir schreiben Gott Allmacht zu und darum wird die Allmacht Krrnaa, iTO:, eine Bezeichnung für Gott. Anschliessend an das biblische „der Heilige Israels" wird der Heilige gelobt sei er m "p"Q ttnipn ein stehender Gottesname. Die Weite seines Eeiches drückt die Benennung Gott des Himmels und der Erde aus; Himmel selbst geht in den Sprachgebrauch für Gott über, Furcht vor dem Himmel Dsöti> K"fiD, ffttP twc wird für Gottesfurcht gebraucht. Seine Allgegenwart bewirkt die Namen tekiv und Dlpön3). Diese Wandlung im Gebrauch oder Nichtgebrauch der Gottesnamen ist durch „die seit dem babylonischen Exil von Israel gewonnene tiefere Einsicht in die überweltliche Erhabenheit Gottes" bedingt. Dass diese Scheu »den lebendigen Glauben erstickt, ihn abstrakt und blutleer gemacht" habe,ist eine Behauptung, die in der geschichtlichen Ueberlieferung keine Stütze findet. Wir werden in den folgenden Abschnitten erfahren, wie innig der Glaube, wie lebendig die Beziehungen Gottes zum Menschen nach den Anschauungen des pharisäischen Judentums waren; ein Blick in die ältesten Gebete legt hinreichendes Zeugnis dafür ab. Oder war wirklich der Glaube jenes Volkes kraftlos, das unerschrocken jeder Profanierung seiner Gottesanschauung sich widersetzte, das einen Pilatus sowohl wie einen Caligula *) Dalman 147 f. s) Tgl. die Beispiele bei Dalman 149£ 8) Ueber diese Gottesbezeichnungen ist zu ygl. Dalman 169 ff., 164 ff., 178 f.

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