Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 22.1904
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 56)
- Language
- German
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- 49 - „Herrlichkeit", die „Majestät" Gottes, das „Wort Gottes" tritt mit den Menschen in Verbindung. Wir dürfen in diesen Wendungen nicht Hypostasierungen vermuten, es darf nicht angenommen werden, dass hier bestimmte Wesen neben Gott gesetzt werden sollen, — wie dieser Irrtum tatsächlich vorgekommen ist1) — sondern ganz im Gegenteil gerade diese Wendungen haben den Zweck, jeden Gedanken daran, als gäbe es mehrere Wesen in der Gottheit, etwa einen überweltlichen Gott und einen, der mit der Welt und den Menschen in Verbindung tritt, auszuschliessen. „Der Herr ist ein Kriegsmann, der Herr ist sein Name. Welchem Zweck dienen die Worte: der Herr ist sein Namen? Weil er ihnen am Schilfmeer erschien, wie ein Kriegsheld, am Sinai wie ein Greis voller Milde, könnten die Heiden auf den falschen Gedanken kommen, auch die Bibel lehre zwei Gottheiten, darum wird betont, der Ewige ist sein Name, er ist derselbe am Meere, derselbe am Sinai, derselbe in der Vergangenheit, derselbe in der Zukunft, derselbe in dieser Welt, derselbe in der künftigen Welt« etc.2). Bei der steten Berührung mit einer polytheistischen Umgebung und heidnischen Anschauung war die Gefahr einer Trübung der reinen Gotteserkenntnis gross genug, um den Uebergang und die Betonung immer stärkerer Transcendenz begreiflich zu machen. Da man den Gottesbegriff ganz abstrakt erhalten und von jeder Profanation schützen wollte, wurde selbst die Aussprache des Gottesnamen vermieden. „Gott teilte dem Mose seinen Namen mit; über den ist mir nicht gestattet zu sprechen" so berichtet Josephus3). Nur im Tempelkultus wurde das Tetragramm ausgesprochen, und auch da hatten die Priester in den letzten Jahrzehnten Scheu es zu verwenden4). Das Tetragramm wurde durch *) Vor allem bei Gfrörer, Gesch. d. Urchristentums und danach fort in allen christlichen Darstellungen bis auf Schürer III 657, vgl. dagegen Frankel, Zu dem Targum der Propheten p. 21; Maybaum, Die Anthropomorphien und Anthropopathien bei Onkelos und den späteren Targumim, Breslau 1870; Dalman a. a. 0. 188. 2) Mech. 37 b f., vgl. dort 66 b und Sifre Deut. 329 (139 b). 8) Ant. E, 12,4. 4) Freilich entstanden daraus auch Verirrungen, und es bildete sich der Aberglaube, dass man mit dem Namen tsnisön oe> Zauberwirkungen üben könnte; doch dürfte dieser Vorwurf von christlicher Seite nicht erhoben werden, da diese Verirrung gerade im Christentum eine grosse Rolle spielte. 4