Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 22.1904
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 54)
- Language
- German
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— 47 — offenbart sich ihm Gott in körperlicher Gestalt, vom Grade der geistigen und sittlichen Vorbereitung und Weihe hängt die Art ab; wie Gott dem Menschen erscheint, und danach sind auch die Bilder verschieden, deren die Menschen sich für den Ausdruck des Göttlichen bedienen. Inhaltsvoller war das Gesicht einer Magd am Schilfmeer als das aller späteren grossen Propheten1), denn die Aufnahmefähigkeit der Menschen ist zu verschiedenen Zeiten verschieden: „Mitunter kann die Welt und was sie füllet, seine Gottheit nicht fassen, mitunter spricht er mit einem Menschen durch Vermittelung seines Haupthaars"2). Also nicht etwa im Wesen Gottes liegt die Veränderung — „ich der Herr verändere mich nie", glaubet ja nicht, weii ihr mich in verschiedenen Gestalten schaut, es gebe viele Götter, ich bin derselbe am Schilfmeer, derselbe am Sinai"3) —, sondern in den Menschen, denen er sich offenbart; er selbst aber ist erhaben über jegliche Veränderung. Besonderen Anlass zu anthropomorphischen Anschauungen bot die Beschreibung des Gotteswagens im ersten Capitel des Buches Ezechiel. Die theosophische Spekulation knüpfte dai'um hauptsächlich an dieses Capitel an, aber in die Geheimnisse der Auslegung desselben — roaiö iwj» — durfte nicht jeder Beliebige eingeweiht werden. Vom öffentlichen Vortrag wurde diese Schilderung zur Vermeidung von Missverständnissen ausgeschlossen, nur wirklich Gelehrte und Urteilsfähige sollten sich damit befassen. Denn die Beschäftigimg mit dieser Vision, die Gott materiell und sinnlich darstellt, musste zu einer der beiden Irrlehren fuhren, zum Heidentum oder zum Pantheismus. Die jüdische Betrachtung über unser Kapitel aber deutete das Körperliche darin als Träger einer geistigen Erscheinung. Schon Sirach schreibt4): Ezechiel sah eine herrliche Erscheinung, die man ihm auf dem Wagen der Cherubim zeigte; dieselbe Tendenz zur Vergeistigung jenes Berichtes offenbart auch die aramäische Bibelübersetzung. Im genuinen altjüdischen Schrifttum ist von Studien darüber wenig wahrzunehmen, hier war der »J Mech. 37 a. .*) Ber. r. c. 4. 8) Pesikta ed. Buber 109 b, vgl Mech. 37 b, 66 b. 7 4) 49, 8 nach der griechischen Uebersetzuug; im hebr. Text lautet die Stelle weniger deutlich: naaiD w "\x>\ n«1D n«n taptro.