Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 22.1904
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 52)
- Language
- German
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— 45 — philosophischer Spekulation; und so unbestritten und einleuchtend waren dieselben im Volk, dass sie es nicht für notwendig hielten, in systematischen Ausführungen und Lehrschriften davon zu handeln. Das gesamte religiöse Empfinden war für die reine Erhaltung der Gottesanschauung genügende Bürgschaft. Darum war es im Judentum unbedenklich, Gott mit Bezeichnungen zu benennen wiejvby bs, das in der Bedeutung „der höchste Gott" rein logisch an Polytheismus anklingt, den Juden aber sofort sich in das blosse jvSy vipiavog umwandelte und die unvergleichliche Höhe und Herrlichkeit Gottes markierte1). Daneben gehen andere Bezeichnungen ähnlichen Sinnes her, wie mmvr *rba Gott der Geister, ncn arhx &s6g £av, der Ewige tb)v vAk &söq aiaviog, aSävavoQ etc. u. v. a.2). Und wie mit diesen zum Teil biblischen Bezeichnungen, so erfolgte in jener Zeit eine Umwandlung mit der ganzen Art der Bibel von Gott zu sprechen. Die Bibel gebraucht die kühnsten anthropomorphischenBilder vonGott,legt ihm menschliche Gliedmassen und menschliche Eigenschaften bei und lässt Gott in die Dinge dieser Welt eingreifen wie einen der Grossen der Erde. Die Schriftgelehrten unseres Zeitalters verraten das ganz deutliche Bestreben, die vermenschlichenden Ausdrücke der Bibel zu mildern und die Ueb er weltlichkeit Gottes scharf hervorzuheben. Der alexandrinische Schriftgelehrte Aristobul wurde vom König Ptolemäus Philometor auf das Unpassende von Ausdrücken wie „Hand, Arm, Gesicht Gottes" u. ä. hingewiesen, und er antwortete ihm mit Berufung auf die Volkssprache, die bildlich Hand für Kraft gebrauche, was auch die heilige Schrift tue3). Die Schriftgelehrten in Palästina haben denselben Gedanken in den Satz gefasst: d*ik ptifo min rrart, dass die Bibel sich nach Art der Menschen auszudrücken pflegte4). Wenn die heilige Schrift erzählt, ') Nach Dalman, Worte Jesu 162 gehört ji^y nicht der Sprache der Volkes, sondern derjenigen „des religiösen Dichters und biblicistischen Schriftstellers" an. 2) Vgl. Bousset 291 ff., dem ich vielfach folge. Die zahlreichen mit grosser Mühe und Sorgfalt von B. gesammelten Citate entstammen fast ausschliesslich den Apokryphen und Pseudepigraphen; für unseren Zwek haben sie wenig Bedeutung, da die dort verzeichneten Benennungen für Gott in der hebräischen Literatur nicht vorkommen, bezeichnenderweise auch nicht in den Psalmen Salomo's und der Assumptio Mosis. s) Eusebius, Praep. ev. Vm, 10. 4) Berach. 31b u. ö., vgl. Weiss, rm I, 217.