Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 22.1904
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 51)
- Language
- German
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II. Cap. Die Glaubensmeinungen der Pharisäer. Von der Betrachtung der Aussenseite der Religion der Pharisäer müssen "wir nunmehr zu dem innern Kern derselben vorschreiten, die Ausgestaltung der einzelnen Glaubenslehren und die Stellung der Frommen zu denselben prüfen. Dabei wird ganz besonders klar, dass das hier Vorgetragene nur die auch sonst bekannten Grundlehren des Judentums wiedergibt. Andererseits macht sich in diesem Teil der Untersuchung der bereits hervorgehobene Mangel an systematischer Darstellung in den Quellen ganz besonders fühlbar. I. Der Gottesbegriff. Wir beginnen mit dem wichtigsten aller Glaubenssätze, der Lehre von Gott. Das Erbe des Judentums aus der Vergangenheit war der strenge Monotheismus, die Lehre, dass es nur Einen unkörperlichen und über alles Körperliche erhabenen Gott gibt. Es erübrigt sich an dieser Stelle zu erörtern, wie dieser Gottesbegriff, der das Judentum vor allen Völkern der Erde auszeichnete, in ihm sich gebildet, hat, welche Kämpfe es zu führen galt, bis er in seiner vollen Erhabenheit sich durchsetzte. Die Tatsache ist unwiderleglich, dass nach dem babylonischen Exil und insbesondere nach der mackabäischen Erhebung der Gottesgedanke unangefochten und unverletzt das Gemeingut aller Juden war. „Nicht giebt es unter unseren Geschlechtern eins, noch ist heute ein Stamm oder ein Vaterhaus oder eine Familie oder eine Stadt von uns, die da Götter anbeteten, von Menschenhand gemacht, wie es in früheren Zeiten geschah... Wir kennen keinen anderen Gott ausser ihm" (Judith 8,18). Der Gottesbegriff der Pharisäer ist der der Tradition (es ist der Gott Abrahams und Mosis, den sie verehren) und der der natürlichen Religion, keineswegs beruhen ihre Anschauungen auf