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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1904-01-01 · 22.1904 · page 49

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
22.1904
Date
1904-01-01
Page
– (sequence 49)
Language
German
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das Wort Hillers: Der Unwissende scheut nicht leicht die Sünde, der Ungebildete ist nicht fromm1). — Das sollte nicht etwa der Ausdruck der Selbstgerechtigkeit der Frommen sein; sie waren weit davon entfernt, die religiöse Aufgabe für leicht erfüllbar zu halten, waren vielmehr von der Unzulänglichkeit der menschlichen Kraft zur Erreichung des religiösen Ideals tief überzeugt. „Habe nicht Vertrauen zu dir selbst bis zum Tage deines Todes", sprach derselbe Hillel2). Joftanan b. Saccai weinte auf seinem Sterbebett, weil er nicht glaubte im Leben seine sittliche Pflicht völlig erfüllt zu haben3), und er blieb nicht der einzige Lehrer, der mit dem Bewusstsein entschlief, dass alles menschliche Tun nur Stückwerk ist. Darum waren sie dem Tadel und der Zurechtweisung sehr zugänglich. E. Tarfon klagt, dass es in seiner Zeit so wenig Menschen gebe, die den Tadel ruhig anhören: Akiba meint hingegen, es fehle an solchen, die eine Strafpredigt in der rechten Weise zu halten verstehen. Johanan b. Nuri sagte: Ich rufe Himmel und Erde zum Zeugen an, dass mehr als fünf Mal Akiba durch mich von Gamliel in Jabne getadelt wurde, da ich über ihn Klage führte und er einen Verweis erhielt; aber ich weiss von ihm, dass er mich deshalb noch mehr liebte4). Dass nicht alle Lehrer im Laufe der Geschlechter auf dieser idealen Höhe standen, wird billiger Weise niemand bestreiten. Der Talmud spricht von solchen, die Schönes reden, aber nicht erfüllen6), von denjenigen, deren Gelehrsamkeit grösser ist als ihre ^Religiosität, die einem Baume mit reichem Gezweig und einer geringen Wurzel gleichen und daher vom Winde leicht losgerissen und umgeworfen werden6). Wie aber die Führer ihre Pflichten auffassten und erfüllten, darüber belehre uns zum Abschluss nur die folgende Erzählung. Als E. Ismael und E. Simon b. Gamliel zum Märtyrertod geführt wurden, sprach E. Simon dem E. Ismael seinen Schmerz darüber aus, dass ihm die Ursachen seines Todes verborgen J) Abot n, 6. 2) Ibid. n, 4. 3) b, Berachot 29 b. 4) Sifra 89 b, Sifre Deut. § 1 (64 a), Bacher I 373. 5) o»pa n«a u*ki vrm n«3 »>, Tos. Hag. n, 1 (234), °) Ab. HI, 17, das. 9.

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