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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1904-01-01 · 22.1904 · page 48

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
22.1904
Date
1904-01-01
Page
– (sequence 48)
Language
German
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IRI
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— 41 — ehrung, aber nicht für ihre Person; ausgezeichneten Genossen zollten sie die gebührende Anerkennung, für sich selbst nahm keiner in Anspruch, die unendliche, ideale Aufgabe erfüllt zu haben. Ihr Ernst, das Streben auf das Volksganze zu wirken, ihr Pflichtbewusstsein waren gewaltig und mächtig, darum fordern ihre Gestalten unbedingten Eespekt, haben etwas Rührendes, ja Imponierendes1). Diejenige Bildung, die den Namen eines „Weisen" verlieh, durfte nicht in blossem Wissen bestehen, sondern erforderte das damit verbundene sittliche Handeln. „Wer nur Wissen, aber keine guten Werke hat, gleicht einem Handwerksmeister, der sein Handwerk nicht ausübt", sagte Johanan b. Saccai2). Dementsprechend wird zu den anerkannten Gelehrten nur der gezählt, von dem die Menschen rühmen, dass er ein ehrenwerter, frommer Mann sei, würdig ein Gelehrter zu heissen3). Es wurde darüber disputiert, was wichtiger wäre, die Uebung guter Taten oder das Studium. Die eine Anschauung erklärte geradezu das „Tun" für grösser; die andere, die auch zum Beschluss erhoben wurde, schlug das Studium höher an, aber nur darum, „weil das Studium zur Uebung guter Handlungen umfuhrt"4). Denselben Sinn hatte ') Vgl. Bousset, 146. Nach dem Vorgang von Weber § 11 betonen sämtliche protestantische Theologen in sehr nachdrücklicher Anklage gegen pharisäische Intoleranz den Gegensatz zwischen Chaber und Am Haarez. Soweit es sich, bei diesem Gegensatz um sittliche Qualitäten handelt, hat Chwolson, Passahmahl S. 73 Anm. 1 herrliche Worte darüber geschrieben. Der Gegensatz bezog sich aber hauptsächlich auf das Rituelle und gehört gar nicht hierher. In der Praxis wurde die Scheidung nicht so rigoros durchgeführt, wie es nach einigen Stellen im Talmud den Anschein hat. „Der Unterschied zwischen den nnan, den religiösen Genossenschaften, die es sich zur Aufgabe gestellt, streng nach den Gesetzen levitischer Reinheit zu leben, und den p»n »DJ?, den Unkundigen aus dem Volke, die sonst diese Gesetze weniger beachteten und darum auch in dieser Beziehung für unzuverlässig galten, wurde für die Festzeit zumeist aufgehoben mit dem Bemerken: Jerusalem vereinige nnan ^*ne» ganz Israel zu Genossen." (I. Lewy, Ein Vortrag über das Ritual des Pesach-Abends, Breslau 1904, S. 9). — Die ganze Frage verdiente eine sachkundige Monographie auf Grund der Quellen. 2) Abot diR. N. Ree. b cap. 31 (34 a). 3) Sifre Num. § 92 (25 b). 4) b. EMduschin 40 b, Bacher 1,303; vgl. ähnliche Aussprüche bei Bacher I, 229. 398. 435. Akiba begann nur darum zu studieren, um sittlich gehoben zu werden A. di R. N. 15 a.

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