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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1904-01-01 · 22.1904 · page 47

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
22.1904
Date
1904-01-01
Page
– (sequence 47)
Language
German
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IRI
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— 40 — dir nicht als Verdienst an, denn dazu warst du geschaffen, so lehrte Jofcanan b. Saccai (Ahot II, 8) und er fügte noch hinzu1): „Haltet die Studierenden fern von Hochmut, denn solcher hindert am Studium". „Wolle nicht schriftkundig werden, damit man dich einen Gelehrten nenne, nicht die Tradition studieren, damit man dich Rabbi nenne, Scharfsinn üben, um als Saken den Vorsitz zu fuhren, sondern lerne aus Liebe, und die Ehre wird am Ende schon nachkommen"2). So lauten die Vorschriften der Rabbinen über die Demut, die den Gelehrten inne wohnen soll, und wie sie in der Wirklichkeit gehandhabt wurden, zeigt die Ueberlieferung von R. Johanan b. Sakkai, dem nie ein Mensch mit dem Grusse zuvorkommen konnte, nicht einmal der gewöhnlichste Mann von der Strasse3). Als die Gelehrten bei Gamliel II. in Jahne zu Gaste waren, und der Hausherr selbst sie stehend bediente, wies Elieser b. Hyrkanos den ihm vom Patriarchen gereichten Becher bescheiden zurück, es bedurfte erst der Rechtfertigung durch seine Genossen, um dem Gelehrten diese Ehrung annehmbar zu machen. Sehr unverblümt drückt R. AMba seine Meinung über den Hochmut der Gelehrten aus, indem er an Prot. 30, 32 anknüpft: Wer sich wegen seiner Kenntnisse überhebt, gleicht dem Aase, das am Wege liegt, wer daran vorüber geht, legt die Hand an die Nase und zieht von dannen4). In seinem eigenen Verhalten und den von ihm überlieferten Reden zeigt er eine rührende Bescheidenheit, Gewiss verleiht die Gelehrsamkeit ein gewisses Ansehen und erhebt ihren Träger auf eine höhere gesellschaftliche Stufe. Das ist noch heute bei allen Kulturvölkern der Fall und war im jüdischen Volk nicht anders. In der Spruchdichtung, in den Psalmen, im Buche Hiob war der Ruhm der Weisheit und Erkenntnis gesungen; so wurde dem Juden das Streben nach Bildung, die Neigung zur Kultur ins Herz gepflanzt, die man ihm auch heute noch nicht abzusprechen wagt. Die volkstümliche Literatur der Pharisäer-Periode stimmte das Hohelied von der Weisheit weiter an, die „Schriftgelehrten" predigten Hochachtung vor dem Studium. Für die Sache beanspruchten sie die höchste Ver- J) Abot di R. Natan, II Ree, cap. 31 (ed. Schechter 34 a). 2) Sifre Deut. § 48 (84 b), b. Nedarim 62 a. 8) b. Ber. 17 a. *) Abot di R. Natan c. 11, Bacher I, 305.

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