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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1904-01-01 · 22.1904 · page 45

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
22.1904
Date
1904-01-01
Page
– (sequence 45)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273589--1090-2274867
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— 38 — Lachen und Hüpfen, Reichtum und Armut, Hunger und Durst, Gesundheit und Krankheit, Kinderspiel und Politik, Abreise und Heimkehr, Hochzeit und Totentrauer, Sämann, Schnitter und Winzer, Arbeiter und Hirt, Kaufmann und Seefahrer, Lehrer und Schüler, Königsglanz und Herrschsucht, Kindesunschuld und Dienerfleiss, alle diese Bilder aus den verschiedensten Gebieten und Beziehungen beleben ihre Reden und machen sie anschaulich" 1). Die Schriftgelehrten bildeten nicht einen eigenen Stand, der exklusiv oder mit Hochmut den andern Volksklassen gegenübertrat; sie gingen aus dem Volke hervor und gehörten zum Volke. Viele von ihnen betrieben ein Handwerk oder Gewerbe und verbrachten ihr ganzes Leben in drückender Armut. Die Religion und das Wissen der Religion waren nicht Sache einzelner berufsmässiger Theologen, sondern „das Erbteil der Gemeinde Jakobs". Sie als Gemeingut zu erhalten, war der Schriffcgelehrten Ziel und Streben „Sprechet nicht, es sind Gelehrte, Vornehme, Propheten unter uns, denen soll die Lehre angehören, sondern ihr alle sollt dieses Gebot beachten; die Bibel lehrt, dass alle gleiches Anrecht haben an der Thora, kein Rang — und Standesunterschied ist da vorhanden, sondern jedermann in Israel hat denselben Anteil an ihr" (Sifre Dt. 48 p. 84b).2) Diese Grundsätze wurden auch an all den Stätten durchgeführt, an denen die Schriftgelehrten Einfluss ausübten. In den Synagogen3) war für jedermann das Wort frei, die Leitung des Gottesdienstes, die Vorlesung aus der Thora, die Predigt wurden in der liberalsten Weise einem jeden verstattet, der sich dazu berufen fühlte, niemandes berechtigte Ansprüche wurden unterdrückt. Im Evangelium des Matthäus wird gegen die Schriftgelehrten der Vorwurf erhoben, dass sie auf besondere Ehrungen *) Vom Prediger wurde Vertrautheit mit der Agada gefordert, vgl. jer. Taanith n, 2 (65 b) rrvaa tom ru»na bwi s) Hierher gehören auch die Mahnungen, die Menschen zur Thora zu leiten (Hülel in Ab. I, 12), das Studium zu einer ständigen Beschäftigung zu machen (Schammai das. 15), sich einen Lehrer zu verschaffen (Jos. b. Perahja ibid. I, 6) u. v. a. vgl. Bousset S. 145. s) Die Gelehrten beanspruchten nicht besondere Plätze in den Synagogen (Ev. Mt. 23,6); Simon b. Azzai lehrte ganz im Gegenteil: Rücke von dem dir gebührenden Platz um zwei oder drei Stufen hinunter Ab, di R. Nat, c, 25, Bacher I, 415.

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