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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1904-01-01 · 22.1904 · page 44

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
22.1904
Date
1904-01-01
Page
– (sequence 44)
Language
German
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IRI
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— 37 — „Schriftgelehrte" geht auf Uehersetzung des hebräischen naiD yQccfipctTevQ zurück; ursprünglich auf Esra angewendet, wurde sie dann übertragen auf den ganzen Kreis der Männer, die mit ihm und nach seinem Sinne im jüdischen Volke für Verbreitung der Kenntnis der heiligen Schriften und der aus ihnen sich ergebenden Glaubens- und Sittenlehren wirkten. In unserem Zeitalter hatte sich für die Gelehrten ein anderer Namen bereits eingebürgert, der ihrem Charakter und ihrer Gedankenrichtung mehr gerecht wird, sie nannten sich TöSn oder D2n TöSn Schüler, Weisenjünger d. h. Lernbegierige, Wissensbeflissene1). Im griechischen Sprachgebrauch aber wurde die alte Bezeichung ygcefi- [lazsvs beibehalten, und davon hat der durch das Neue Testament bekannte Terminus „Schriftgelehrte" sich eingebürgert. Josephus nennt sie mit richtigem Takt JJ-j^tc« %&v v6[ia>v} Ausleger der heiligen Schriften, Erklärer der Eeligion.2) — Vielseitig wie der Inhalt der Bibel und des Religiösen war die Tätigkeit der Schriftgelehrten. Manche von ihnen bekleideten als Mitglieder des Synhedriums das Amt eines Richters; die meisten aber widmeten sich der Forschung und der Belehrung anf den Gebieten der Glaubens- und Sittenlehre sowie der religiösen Praxis der Gesetze und Gebräuche. Die Bibel bildete dabei den Ausgangspunkt des Studiums, aber es wäre eine falsche Anschauung, wollte man sieb das Wissen der Schriftgelehrten auf das Biblische beschränkt denken, ihre Bildung mit modernen Theologen als „wesentlich Gesetzbildung" vorstellen3). Mit griechischer Bildung und Philosophie freilich haben sich nur wenige befasst. Aber der Welt standen sie nicht fremd gegenüber, mit den Einrich- ' tungen des römischen Staatslebens waren sie sehr wohl vertraut, der Geschichte und der Naturwissenschaften zeigen sie sich nicht unkundig. Die Gesetzesdeutung, die Halacha, behandelt die mannigfachsten Zweige des Lebens imd des Wissenswerten; so weltfremd und ungebildet wie viele Geistliche des Mittelalters darf man sich die alten Schriftgelehrten doch nicht vorstellen. Und die Hagada vollends, „Trauern und Weinen, *) Dieselbe Bedeutung hat ursprünglich tfdoaotfoi. *) Ant. XVII, 6,2. Bezeichnend ist es, dass nur in den unter griechischen Einfluss stehenden Matthäus- und Lucas-Evangelien sich die Namen voptxoC und vofioSiöaaxaloi finden; vgl. die Stellen bei Schürer II, 314, a) Bousset U8.

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