Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 22.1904
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 39)
- Language
- German
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- 32 - Josua b. Chananja, ein Schüler Jochanah b. Saccai's, einer der Führer der Pharisäer, tat folgenden Ausspruch1): „Ein törichter Frommer, ein schlauer Bösewicht, eine pharisäische Frau und Pharisäerschläge richten die Welt zu Grunde", 1) ein törichter Frommer ist der, welcher aus übertriebener Frömmigkeit eine Pflicht der Nächstenliebe vernachlässigt, 2) ein schlauer Bösewicht, wer andern, aber nicht sich selbst religiöse Lasten aufbürdet, 3) eine pharisäische Frau eine solche, welche im Stillen Unheil anstiftet, um sich als Wohltäterin aufzuspielen, 4) Pharisäerstreiche sind Handlungen, die scheinbar eine Wohltat enthalten, aber nur den Zweck haben, anderen zu schaden. Ein echter Pharisäer nimmt hier also nicht Anstand, über die falschen Pharisäer in härtester Weise den Stab zu brechen.2) Eine Baraita3) führt sieben Arten der Pharisäer auf, die bis auf die letzte (oder die zwei letzten) allesamt scharf getadelt werden. Im babylonischen und im palästinischen Talmud sind sie verschieden geschildert. Wir lassen den Wortlaut des letzteren folgen: 1) Pharisäer, welche vor aller Welt ihre Frömmigkeit zur Schau tragen 2) solche welche immer vorgeben noch ein Gebot erfüllen zu müssen, 3) solche welche ständig abrechnen zwischen guten und bösen Handlungen, Sünden begehen und dann (gewissermassen als Compensation) Gebote erfüllen, 4) solche welche damit prahlen das Wenige, das sie besitzen, für gute Zwecke zu verwenden, 5) Pharisäer, welche die Leute auffordern, ihnen die von ihnen begangenen Sünden anzugeben und damit andeuten, dass sie keine begangen hätten. Nicht getadelt werden: 6) Pharisär, welche wie Hiob alles Gute nur aus Gottesfurcht tun; 7) als Ideal wird hingestellt, wer wie Abraham das Gute nur aus Liebe zu Gott tut4). *) Sota IQ, 5; b. 21b ff. jer. 19 a. Zur Erklärung dieser und der folgenden Stelle vgl. Chwolson Passahmal 116ff.; Levy, Nhbr. Wort. III, 111 s.v. röö, IV, 143 s. v. m 2) Dasselbe geschieht Ps. Sal. 4, 2; Ass. Mos. 7, 3 ff. 8) J. Ber. IX, 14b; Sota V, 20c. 4) Im babylonischen Talmud Sota 22 b hingegen werden sie wie folgt skizziert: 1) Phar. welche gute Taten nur zu ihrem Vorteil ausüben, aber nicht als Gebote Gottes; 2) Phar. welche aus Scheinheiligkeit langsam einherschreiten, mit den Fussen auf Steine stossen und sich verwunden,