Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 22.1904
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 38)
- Language
- German
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- st - erwiderte er: Du kennst die Gebote, halte sie; ein Leben nach pharisäischen Grundsätzen schien Jesus also nicht unwert der ewigen Seligkeit (Mc. 10, 17ff). „Die Starken bedürfen des Arztes nicht, ich bin gekommen zu rufen die Sünder zur Busse, nicht die Gerechten" (Mc. 2,17); Jesus kannte somit Gerechte in seinem Volke, und sie scheinen in der Mehrheit zu sein, für die seine Busspredigt entbehrlich war. Er kannte den Berge versetzenden Glauben seines Volkes, seine treue Hingebung in den Willen und die Vorsehung des himmlischen Vaters; wo er die Kleingläubigen tadelte, die für den Morgen sorgen, fügte er hinzu: Nach solchem allem trachten die Heiden (Mt. 6,32), Juden aber haben den rechten Glauben und wissen, dass Gottes Vaterliebe ihnen winkt, ganz gleich, ob sie sie suchen oder nicht. „Wenn Ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden" (das. 6, 7) sondern im stillen Kämmerlein andächtig das Herz erheben, wie die Juden. ' Auf Moses Stuhl sitzen die Schriftgelehrten und Pharisäer, alles, was sie euch sagen, dass ihr halten sollt, das haltet und tuts, so beginnt die Strafrede im Evangelium des Matthäus (23, 2—3). Sie scheint demnach doch nicht alle Pharisäer in „die höllische Verdammnis" einzuschliessen, und erkennt den wahren Pharisäismus als gut und nachahmenswert an. Gegen einen Teil der Pharisäer tritt sie auf, gegen die „Wölfe im Schafspelz, gegen die rigorosen und harten Wortklauber," die die Religion um ihren Ernst und ihre Sittlichkeit bringen, die die Anordnungen ihrer Genossen in ihr Gegenteil verkehren. Diesen Tadel aber muss man nicht im Neuen Testament suchen und darauf hin die Religiosität der Pharisäer insgesamt un,d der Rabbinen verdächtigen, der Tadel gegen die Falschen, gegen die Heuchler ist im Talmud deutlich genug enthalten und ein Wahrzeichen dafür, wie sehr man die Sünde der Unwahrhaftigkeit in der eigenen Mitte geisselte. Der König Alexander Jannai, der gehässige Feind der Pharisäer, hinterliess seiner Gattin auf dem Totenbette das Vermächtnis: Fürchte dich nicht vor den Pharisäern, nicht vor denen, die keine Pharisäer sind, aber furchte dich vor den Gefärbten, die den Pharisäern ähnlich fromm tun, die ruchlos handeln wie Simri und Lohn verlangen, wie Pinchas für seine edle Tat erhielt1). *) Sota 22b.