Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 22.1904
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 34)
- Language
- German
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- 27 — lieh, in sich gefestigt sein im religiösen Denken und Handeln. „Nur wenn du ungeteilt bist, hast du Anteil an dem Ewigen deinem Gott."1) Ceremonien und Riten, das wusste man, sind an sich bedeutungslos, wenn das religiöse Empfinden sie nicht mit Inhalt erfüllt. Auf dieses Ziel hatten ja die Propheten ihre Predigt gerichtet und den ausschliesslichen Wert der Gesinnung betont. Zerreisset eure Herzen, nicht eure Kleider, dieser Mahnruf des Propheten Joel wird auch von den Pharisäern eingeschärft; wer Opfer darbringt, dem wird mit Hosea geantwortet: Liebe will Gott, nicht Opfer; denen die beten ohne Andacht, wird, mit Jesaia zugerufen: So ihr eure Hände ausbreitet, verschliesse ich mein Auge vor euch, auch wenn ihr viel betet, höre ich nicht2). An alle aber, auch an die Bussfertigen, richtete der Prediger folgende Mahnung: Von den Leuten Ninive's heisst es beim Propheten Jona nicht, Gott sah ihr Fasten und wie sie in Sack sich warfen, sondern Gott sah, dass sie von ihrem bösen Wandel umkehrten und ihre Gesinnung änderten3). 3. Gesetz und Moral. Dass die Pharisäer tausend Dinge hatten, die sie so wichtig nahmen wie die Barmherzigkeit und das Gericht, dass alles bei ihnen auf einer Fläche stand, ist eine unbegründete Uebertreibung, die durch sachkundige Prüfung nicht beschwert ist. Wahr ist wohl, dass das Recht in die Sphäre des Religiösen erhoben, dass Recht und Staatsgesetz dadurch geadelt und veredelt wurden, aber keineswegs haben Religion und Sittlichkeit unter dieser Verbindung gelitten. Die pharisäische Religionsanschauung hat die Wichtigkeit der sittlichen Werke, der Barmherzigkeit und Bruderliebe nie gering geschätzt, sondern in Uebereinstimmung mit den Propheten sie immer als das oberste und letzte Ziel des religiösen Lebens hingestellt. „Gerechtigkeit und Mildtätigkeit wiegen alle religiösen Vorschriften auf4)". „Wer in seinem Handeln und Wandeln mit den Geschöpfen 1) Sure Deut. § 173 (107 b): yr\b« n cj? -jphn on nnweo. . 2) Sifra 45b. 8) Taanit II, 2; vgl. Tosefta und Talm. jer. z. St. *) Tos. Peah 4,19.