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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1904-01-01 · 22.1904 · page 33

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
22.1904
Date
1904-01-01
Page
– (sequence 33)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273589--1078-2274855
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— 26 — der Ceremonien deutlich ausgesprochen, sie sollen das Herz vom Bösen behüten und zur Gottesfurcht erwecken. Nicht mit äusserlicher PMchterfüllung, ohne innere Anteilnahme sollen die Gebote ausgeübt werden, vielmehr wird für sie Andacht des Herzens gefordert im In lebendigem Zusammenhang mit der Offenbarung soll der Mensch leben. „Diese Worte sollst du dir zu Herzen nehmen", sie sollen dir sein wie eine stets neue Verordnung1), sie sollen dir lieb sein und wert, als hättet ihr sie eben erst empfangen2). Darum ist auch nicht das Mass, der Umfang der Leistung massgebend, sondern nur die Gesinnung, die Gottergebenheit, die sich darin äussert. „Ganz gleich, ob einer viel leistet oder wenig, es genügt, dass er sein Herz auf Gott gerichtet hält"3). Das Herz, der Sitz des Gefühls und des Willens nach Anschauung der Alten, ist das Organ, in dem die Persönlichkeit des Menschen sich äussert, und diese soll in ihrem vollen Umfang auf den religösen Gedanken hin gerichtet sein. Nicht dass die religöse Aufgabe dadurch in eine Reihe von vielen Einzelheiten aufgelöst wäre, nein, der ganze Mensch soll einheit- 1) Sifre Deut. § 33 (p. 74a). 2) Ibid. 68 (p. 87 a). *) b. Berahot 17a; Menahot 110a. leb kann auch hierniebt umhin auf eine Bemerkung Pfleiderer's einzugehen. Ui Christentum I, 655 führt er die Empfehlung des Almosengebens, die Verheissung der Vergeltung für Fasten und Beten bei Jesus zurück auf „die jüdische Ansicht von der Verdienstlichkeit derartiger „guter Werke." „Um so beachtenswerter ist es aber, fährt er fort, dass diese in der Theorie festgehaltenen jüdischen Anschauungen gelegentlich durch andersartige Aeusserungen durchbrochen und korrigiert werden. In dem Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg wird der rechtliche Begriff des Lohnes als einer vertragsmässigen Gegenleistung zwar zum Ausgangspunkt gemacht, aber dadurch dass schliesslich alle Arbeiter denselben Lohn erhalten, faktisch aufgehoben; denn damit dass der Lohn nicht mehr im Verhältnis steht zum Mass der Arbeitsleistung, ist er auch nicht mehr die rechtliche Vergeltung derselben, sondern wird zur freien Gnadengabe, die allen denen zukommt, die dem göttlichen Ruf in willigem Gehorsam folgen." Hier sehen wir wieder, wie das Urteil über das Judentum feststeht, noch ehe die Quellen befragt worden sind. , In Wirklichkeit ist hier gar kein Gegensatz zwischen Jesus und dem Judentum, denn in dem im Text besprochenen Satz D'OB'f? -ab n» i'i3'S> naftti ts'voon im« naion in» steht genau das, was Pfleiderer aus dem Evangelium herausliest, „dass die Letzten die Ersten sein werden." Allerdings der andere Satz, „dass die Ersten die Letzten sein werden" fehlt im jüd. Schrifttum, aber sicher nicht zum Schaden der religiösen Idee.

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