Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 22.1904
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
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— 24 — und lässt nicht Kummer aufkommen neben sich". (Prov. 10, 22.) Und das war nicht nur die Empfindung der Juden, sondern auch die der Heiden, unter denen sie lebten. Die grossen Herren in Born, vor deren Machtwort die ganze Welt erzitterte, wurden überwältigt durch die Sabbathruhe ihrer jüdischen Sklaven; zunächst schalt man wohl ihre Trägheit, und sie wurden mit Prügeln gestraft, doch allmählich verspürten auch die Herren einen Hauch der göttlichen Weihe des Ruhetages. Der Sabbath war einer der mächtigsten Missionare für das Judentum, er gab den Heiden eine erhabene Vorstellung von der jüdischen Religion und führte sie scharenweise zur Thora. „Es gibt kein Volk, keine einzige griechische oder nichtgriechische Stadt, wohin sich nicht die Sitte des siebenten Tages, an welchem wir feiern, verbreitet hätte", so berichtet Josephus1) in Uebereinstimmung mit vielen Schriftstellern des Altertums. Gerade im Anschluss an den Tadel der Sabbathruhe hat Seneca das berühmt gewordene Wort von den Juden geschrieben: Die Lebensgewohnheiten dieses verruchten Volkes sind so mächtig geworden, dass sie fast durch alle Länder in Aufnahme kamen, die Besiegten (Juden) haben den Siegern (Römern) Gesetze gegeben2). 2. Gesetz und Gesinnung. Eine zweite falsche Prämisse ist die, dass das gesamte religiöse Leben im pharisäischen Judentum in nichts weiter bestehen soll, als in der „strikten Beobachtung des Gesetzes", dass Glauben und Gesinnung völlig in den Hintergrund treten müssen, weil mechanische Pflichterfüllung ihren Platz einnimmt. Welche Bedeutung dem Glauben beigemessen wurde, beweist die Tatsache, dass das Bekenntnis (Sch'ma) in das tägliche Gebet aufgenommen wurde. So grossen Wert auch das Judentum auf die Erfüllung des Ceremonialgesetzes legt, so ist doch nie vergessen worden, dass es nicht Selbstzweck ist, sondern nur Mittel zum Zweck, dass sein wahres Ziel ein höheres ist, die religiöse Idee. „Beobachtet den Sabath, denn heilig ist er Euch", was den Zusatz erhält, dass es unter Umständen gestattet ist, ein *) Ap. n, '39. 2) Cum interim usque eo sceleratissimae gentis consuetudo valait, ut per omnes iam terrae recepta sit; victi victoribus leges dederunt bei Augustin, De cmtate Dei VI. 11, Reinacb. p. 262.