Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 22.1904
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
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— 23 — Honig, die von ihm essen, hungern nach mehr, die von ihm trinken, dürsten immer wieder danach; es teilt Weisheit in Fülle mit wie der Pison, wie der Tigris in den Tagen der Erstlingsfrüchte, voller als das Meer ist sein Sinn, und seine Gedankenwelt mehr als die grosse Urflut". Aus der überreichen Fülle der talmudischen Aussprüche über diesen Punkt sei nur einer angeführt: „Gott sprach zu Mose, sage den Israeliten, das Gesetz, das ich euch gegeben, bedeutet Heilung für euch, Leben für euch" (Mech. 46 a). Unter dem Joch des Gesetzes haben die Juden als frohe und glückliche Menschen gelebt, sie haben eine eigene Klasse von Freuden mxö bw nnot?, die aus der Erfüllung der Religionsgesetze quellende Freude benannt, und diese, eine völlig ideale, durchaus uninteressierte Freude als die reinste und höchste Herzenserquickung betrachtet. Nicht als Joch, das „lastet" und „wuchtet", haben diejenigen die Ausübung des Gesetzes empfinden können, die lehrten, die Gebote mit Liebe und Begeisterung zu erfüllen rnsfon ns :an (Mech. 14a u. ö.). In das tägliche Abendgebet wurde darum die Stelle eingefügt: Mit ewiger Liebe hast du dein Volk geliebt, Lehre, Gesetze, Rechte und Vorschriften uns geboten. So wollen wir uns freuen an den Worten deines Gesetzes, denn sie sind unser Leben und Dauer, unserer Tage. Mehr als Wortbezeichnungen und Theorien lehren Tatsachen. Der schlagendste Beweis dafür, dass das Gesetz nicht als Joch lastete, ist der Sabbath. Es gibt kaum eine religiöse Einrichtung, bei der es soviel abzugrenzen, soviel zu verbieten und zu verhüten galt, wie gerade beim Sabbathgebote.1) Neununddreissig verbotene Grundarbeiten, deren Verzweigungen und Ableitungen etc. und dann wieder die Massregeln zu deren Ausgleichung mit dem Leben, eine schier unversiegbare Domäne für die Kasuistik, eine Einrichtung, die sicherlich in dem Aussenstehenden den Eindruck einer unerträglichen Last erweckt. Dennoch aber wird der Sabbath als eine Wonne jjy empfunden und auf ihn der Schriftvers angewendet2): „Der Segen Gottes macht reich J) Der Sabbath dient bei Schürer 470ff. als hauptsächliches Beispiel dafür „wie weit sich dieser unverständige Eifer um Gott verirrte." Man könnte dazu die grosse Zahl der Sonntagsruhegesetze vergleichen, s. Güdemann, Das Judentum etc. S. 86. *) Ber. rab. Cap. 11 Anfang.