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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1904-01-01 · 22.1904 · page 23

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
22.1904
Date
1904-01-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273589--1068-2274845
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— iö — ihrem Tun zu bestrafen; „jene werden auferstehen zum ewigen Leben und diese zur ewigen Schmach". Die Sadducäer hingegen leugneten die leibliche Auferstehung, nicht, wie man gewöhnlich sagt, die Unsterblichkeit der Seele1), da nach ihnen der Mensch schon in dieser Welt sein Leben so gestalten könnte und müsste, dass er das empfing, was die Pharisäer göttlichen Lohn und Strafe nannten. Wichtiger als diese theologischen und eschatologischen Streitigkeiten war eine andere Differenz zwischen Pharisäern und Sadducäern, die in das tägliche Leben eingriff und fast bei jeder der Fragen nach dem inneren Ausbau des Staates von Wichtigkeit war, das ist die Gültigkeit der religiösen Gesetze, die nicht in der Schrift enthalten sind. „Die Pharisäer haben dem Volke aus der Ueberlieferung der Väter viele Gesetze auferlegt, die nicht geschrieben sind im Gesetze Mosis; die Sadducäer hingegen waren der Ansicht, dass nur das geschriebene Gesetz, nicht aber die Ueberlieferungen der Väter Geltung haben sollten"2). Nicht dass die Sadducäer die Verbindlichkeit des mündlichen Gesetzes völlig geleugnet hätten; in dieser Allgemeinheit ist der Satz nicht richtig. Auch die Sadducäer konnten bei dem geschriebenen Gesetz nicht stehen bleiben, auch sie mussten es fortbilden und ausdehnen, aber sie hielten nach Möglichkeit am Alten fest; wo sie abweichen mussten, schufen sie ihre Gesetze selbständig nach den Bedürfnissen des praktischen Lebens und hielten es ihrer ganzen Stellung und Anschauung nach nicht für erforderlich, alle Gesetze auf die Schrift zurückzuführen und aus Interpretation derselben abzuleiten. Beide Kichtungen konnten in der Weiterbildung des Gesetzes ein grosses Stück vereint gehen; die Sadducäer haben wie die Pharisäer Gesetze über Priestertum, Eeinheit etc. anerkannt, ohne dass sie im Wortlaut der Bibel begründet waren, aber bei einem anderen Teil traten Meinungsverschiedenheiten hervor, und während die Pharisäer die Schrift auslegten und aus der Interpretation neue Bestimmungen entnahmen, stützten die Sadducäer sich ihnen gegenüber auf den ') Hier berichtet das Neue Testament juii ttvcu avaaraotv (Mc 12,18, Act. 23,8) wohl richtiger als Josephus in seiner philosophierenden Manier; vgl. auch die Auseinandersetzung bei Derenbourg a. a. 0. 128 ff. 2) Ant. Xffl, 10, 6.

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