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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1904-01-01 · 22.1904 · page 22

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
22.1904
Date
1904-01-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273589--1067-2274844
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— 15 — getastet blieb; sie konnten darum das Joch der Kömer bis zu einem gewissen Grade ebensogut ertragen wie die Herrschaft der Hasmonäer, aber sie verwandelten sich in erbitterte Gegner der Regierung, sobald sie den Staat gegen ihre Grundsätze zu leiten versuchte. Anders waren die Sadducäer, die Hofmänner, Feldherren und Diplomaten, die vor allem das weltliche Rüstzeug fiir den Staat forderten und das Eingreifen Gottes nicht in ihre Berechnungen zogen. Der Bürger, der seine Unabhängigkeit bewahren will, muss jederzeit derart gerüstet und in Kriegsbereitschaft sein, dass er alle Angriffe abzuwehren imstande ist, ohne auf Wunder zu rechnen. Sie waren nicht etwa Gegner der Religion und leugneten keineswegs die göttliche Vorsehung, nur meinten sie, Gott habe darum dem Menschen die Willensfreiheit gegeben, damit er selbst sein Glück begründe; von seinem Tun hängt es ausschliesslich ab, ob es ihm gut oder böse gehen soll. Wo das Religionsgesetz oder die Sitte der Väter mit dem Streben nach Sicherung des Staates in Konflikt geraten, müsse man sie verletzen und den Erfordernissen des Lebens Rechnung tragen, im Notfälle auch mit den Heiden sich verbinden. Die Frömmigkeit der Pharisäer war eine innigere und schwärmerische, sie wollten in ständiger Verbindung mit dem Uebersinnlichen und Uebernatürlichen bleiben, darum glaubte man auch in ihrem Kreise an Engel und Dämonen1). Ohne Rest freilich konnten die Pharisäer alle Fragen nicht lösen, sie durften auf die göttliche Vorsehung hinweisen, deren Wunder noch in aller Erinnerung waren, aber die andere Frage blieb doch übrig, warum Gott so viele Unschuldige hatte leiden lassen, warum die Glaubensverfolgungen über die fromme Gemeinde gekommen waren; die Lösung dieser Frage verlegten die Pharisäer ins Jenseits durch die Lehre von der Vergeltung nach dem Tode und von der Auferstehung der Toten2). Gott werde die Toten einst aus ihrem Grabesschlummer erwecken, um die Gerechten nach ihrem Wandel zu belohnen, die Gottlosen nach *) Wie die Apostelg. 23,8 ihnen nachsagt, womit aber nicht gesagt ist, dass diese sonst nicht bekannte Differenz zu den unterscheidenden Punkten der beiden Parteien gehörte. 2) Vgl. Jos. Ant. XYIII, 1,3.

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