Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 22.1904
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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— 12 — sollten an dem Massstab des religiös Zulässigen gemessen werden. So argumentierten die Einen, und zwar die grosse Masse des Volkes, die Bürgerschaft, die begeistert mitgefochten hatte, aber an der Führung nicht beteiligt war. Die Führer hingegen, die Feldherren und Staatsmänner, hatten aus den Kämpfen die Erfahrung mitgebracht, dass man in der Politik mit den gegebenen Verhältnissen rechnen müsse, dass nicht immer die Anforderungen des Lebens nach den Religionsvorschriften geregelt werden könnten. So entstanden zwei Parteien, die beide am Staatsleben Anteil nahmen1), aber von verschiedenen Gesichtspunkten aus es geleitet wissen wollten, die Parteien, die unter den Namen Sadducäer und Pharisäer bekannt sind. Die Namen kommen in der ältesten Zeit im Munde der Parteigenossen selbst nie vor, nur die Gegner pflegten sie bei den häufigen Auseinandersetzungen mit dieser Bezeichnung anzureden, die nach ihrer Meinung etwas Beschimpfendes enthielt2). „Saddokäer" oder „Zaddukim", so nannten die Gegner die kleine, aber mächtige Gruppe der Aristokraten. „Zu wenigen Männern ist diese Lehre gelangt, jedoch zu den Ersten an Ansehen" berichtet Josephus3), und der Talmud erzählt geradezu als Charakteristikum von ihnen: „sie bedienten sich ihr ganzes Leben lang silberner und goldener Geräte"4). Im Adel aber und in der Aristokratie herrschte die Priesterschaft vor, von den meisten Hohepriestern ist es direkt überliefert, dass sie der sadducäischen Partei angehörten; unter den Priestern wiederum galt als die vornehmste Familie die des Zadok, dessen Ruhm bis auf David1 s und Salomo's Regierung zurückgeht, und von dem die bedeutendsten Priesterfamilien noch unmittelbar vor den Makkabäern ihren Stammbaum herleiteten. So ist es denn höchstwahrscheinlich, dass dieser aristokratischen Partei der Name ') Ihnen gegenüber stand eine dritte Partei, die sich ganz vom Leben zurückzog und fern von der Welt nur frommen Uebungen sich weihte; sie ging aus dem Kreise der früheren D*TDn ' AaaiSmoi hervor und hiess „Essäer" oder Essener. Für die folgende Darstellung kommen sie nicht in Betracht; vgl. über sie Derenbourg, Essai 166 ff. 2) Danach ist alles hinfällig, was Wellhausen 1. c, 76 ff., Schürer ü, 398 dagegen einwenden. s) Ant. XVffl, 1, 4. 4) Abot di R, Nathan cap. 6.