Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 22.1904
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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I. Kap. Die Erscheinungsform der Religion der Pharisäer. I. Pharisäer und Sadducäer. Der Name Pharisäer ist die Bezeichnung einer Partei, deren Wesen und Ziele die Geschichte des jüdischen Volkes verständlich macht. Das religiöse Lehen nach dem Exil verfolgte mit aller Entschiedenheit die Tendenz, den Monotheismus zu behüten und jede Berührung mit dem Götzendienst zu vermeiden. Ohne die streng durchgeführte Absperrung gegen alles Heidnische hätte „der schwache judäische Eest seine weltgeschichtlich belebenden Ideen nicht nochmals in verjüngter Kraft entfalten können." Die neue Eichtling aber stählte die Nation und machte sie gegen jeden Angriff von aussen widerstandsfähig. Während bei dem Zusammenstoss mit dem Hellenentum die Aristokratie und ein Teil der Priester dem Fremdherrscher selbst ihre religiösen Eigentümlichkeiten opferten, kämpfte das Bürgertum mit Verzweiflung für seine Freiheit und seine Religion. Das fromme Priestergeschlecht der Hasmonäer trat an die Spitze des Volkes im Kampf gegen den Unterdrücker und die mit ihm verbündeten Hellenisten; es ging aus demselben als Sieger hervor, mit der doppelten Krone des Fürstentums und des Priestertums geschmückt. Die Aristokratie suchte mit den neuen Verhältnissen sich abzufinden, scharte sich um die neuen Fürsten und regierte mit ihnen eine Zeit lang gegen das Volk. Der Krieg gegen die Syrer war im wesentlichen ein religiöser, unternommen für die Erhaltung und freie Betätigung der Religion; der Kampf wurde zwar, auch nachdem die Glaubensfreiheit wiedergewonnen war, bis zur Erlangung der vollen Unabhängigkeit fortgesetzt, jedoch nur, damit ein neuer Eingriff in die Gewissensfreiheit und in die Religionsübung ausgeschlossen wäre. Durch Gottes wunderbare Fügung war der Sieg errungen und der neue Staat begründet worden, unter Leitung des göttlichen Gesetzes sollte er verwaltet und ausgebaut werden; alle öffentlichen Angelegenheiten, alle politischen Unternehmungen