Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 22.1904
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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sprochener Tendenz, verfassten Bücher (Sibyllinen etc.). "Diese Schriften stellen Unter- und Nebenströmungen der Religiosität dar, aber keineswegs das offizielle Judentum; es hat die Schriften des Kreises der Apokryphen und Pseudepigraphen mit Bewusstsein von sich gestossen, weil sie seinen religiösen Anschauungen nicht entsprachen. Hingegen sind diese in der umfangreichen rabbinischen Litteratur niedergelegt, deren Kenntnis die notwendigste Vorbereitung für ein solches Studiuni ist. Freilich stammt die Redaktion des rabbinischen Schrifttums, des Talmuds und der Mdraschim, aus weit späterer Zeit, und die dortigen Berichte sind nicht frei von späterer Färbung; aber das ist eben Aufgabe der Kiitik, die ihnen zugrunde liegenden Begebenheiten zu erforschen. Und zwar sind im Talmud nicht etwa nur direkte Erzählungen als Geschichtsquelle zu benutzen, weit wichtiger als direkte Erzählungen sind seine Kapitel da, wo er unbeabsichtigt in Massregeln, in Einrichtungen, in Gesprächen oder Auslegungen das, was die Lehrer jener Zeit bewegt und beschäftigt hat, wie in einem treuen Spiegel reflektiert1). Darum darf die Forschung, wenn sie ein wahres Bild von der jüdischen Religion jener Zeit erlangen will, nicht bloss bei der Agada stehen bleiben, deren erbauliche Ziele allerdings ihr vorwiegend Auseinandersetzungen über die wichtigsten religiösen Ideen, wie Gott und Schöpfung, Vorsehung und Leben nach dem Tode, Familie und Nächstenliebe zuweisen: „Willst du erkennen den, durch dessen Wort das Weltall entstand, so studiere die Agada, denn durch sie erkennst du Gott und kannst seinen sittlichen Eigenschaften nachstreben"2). Auch die Halacha mit ihrer Behandlung des Kultus und des Ritus, den Bestimmungen über Sabbat, Feste u. v. a. verdient ihren Platz unter den Quellen. Im Folgenden sind, um innerhalb der zu behandelnden Periode zu bleiben, nur Autoren bis zur Zeit Akiba's (starb ca, 135) benutzt; daneben ist den anonymen Midraschim, wie sie zahlreich in Mechilta, Sifra und Sifre vorliegen und den Eindruck recht hohen Alters machen, vielfach Beachtung geschenkt. *) Joel, Blicke I, Einl. S. U. *) ~p iine» srun -neS n^nyn n»m *iö*up »o i'antp qawi 110« nitnttn >vm i»p*n3 p:n»i n'opn ha i*3ö rm« Sifre Deut. § 49 p. 85 a.