Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 22.1904
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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sie in der Apostelgeschichte 5 34, 15 & und nur darum, weil der Name harmlos war, wie jeder Eigenname, durfte Paulus sich einen Pharisäer und eines Pharisäers Sohn nennen (das. 23 e, 26 b). Paulus bedient sich des Wortes nicht als eines Schimpfes. Erst im zweiten Jahrhundert, als die Nichtbefolgung des mosaischen Gesetzes schon christliches Prinzip geworden war, sah man die Pharisäer als prinzipielle Gegner des Christentums an und verfasste gegen sie die Strafreden, die wir jetzt bei Lukas und bei Matthäus lesen. Die Pharisäer waren damals die einzige jüdische Partei, die übrig geblieben war, und der ganze Hass gegen die Juden vereinigte sich gegen sie. Nicht lange darauf trat der nunmehr unwesentlich gewordene Name in den Hintergrund, darum verfahrt das Evangelium des Johannes, welches dem Judentum am feindlichsten gegenübersteht, am glimpflichsten mit den Pharisäern. Der letzte Punkt, der bisher nirgends beachtet ist, genügt allein, um die Beurteilung der Pharisäer in den Evangelien in das rechte Licht zu setzen. 2. Demjenigen Schrifttum, das aus den Kreisen der Pharisäer hervorging, lässt sich, wenn es richtig benutzt wird, vieles über die Religionsanschauungen und die religiösen Einrichtungen der Zeit entnehmen. In neueren Darstellungen werden hiervon besonders häufig die Apokryphen und Pseudepigraphen zitiert. Die Makkabäerbücher mit der eigentümlichen Art ihrer Geschichtserzählung, Bücher wie Sirach1), Tobit u. a., die Weisheitsregeln enthalten oder auf Beobachtung einzelner Gebote besonderen Wert legen, sind sicherlich eine wichtige Quelle für die Religionsgeschichte. Allein auch hier ist Vorsicht geboten; es darf nicht übersehen werden, dass diese Bücher (mit Ausnahme des Sirach) in jüdischen Kreisen wenig oder gar nicht gelesen wurden, dass uns ferner aus dieser Litteratur nur diejenigen Schriften erhalten sind, die der Kirche für der Erhaltung wert galten. — In noch viel höherem Masse ist diese Vorsicht bei den pseudepigraphischen Apokalypsen geboten. Die Theodicee und die künftige Erlösung bilden vorwiegend ihr Thema, und von diesen Grundfragen, die in bizarren und phantastischen Ausführungen höchst einseitig behandelt sind, werden alle anderen religiösen Anschauungen beherrscht2). Ein rechtes Bild vom Judentum der Zeit bietet darum dieser Litteraturkreis nicht, ebensowenig wie die in der hellenistischen Diaspora für die Propaganda, also mit ausge- *) Das Buch Sirach ist etwas älter als unsere Periode, aber dennoch hier zu beachten. 2) Eine Ausnahme bilden in gewissem Sinne der Form und dem Inhalt nach die „Psalmen Salomo's".