Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 22.1904
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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- 5 — unwillig sahen und sie darum durch allerlei alberne Erfindungen herabzusetzen suchten. Daneben finden wir einige spöttische Bemerkungen römischer Satyriker, deren Witz niemand verschonte und darum bisweilen auch einzelne Juden traf. Eine Herabsetzung des Judentums überhaupt hat in diese Stellen erst die neuere „kritische" Wissenschaft hineingelesen, weil sie wünschte, die Juden schon von alters her mit all den Makeln behaftet zu sehen, die sie ihnen andichtet. Schliesslich giebt es auch sehr achtungswerte Schriftsteller, wie Strabo und Dio, die ganz objektiv über die Juden referieren und sich jeder weiteren Bemerkung enthalten. Bei sachlicher Prüfung, wie sie besonders Joel1) angestellt hat, wird unser Urteil dahin lauten, dass die heidnische Welt dem Judentum als Religion fremd und verständnislos gegenüberstand: „Jeder grollt ihm wegen seiner Sitten imd Gebräuche." Den Juden als Nation begegnete man mit Hass, zumal wenn sie es wagten, sich gegen das römische Joch aufzulehnen. Darum hat Tacitus seine ganze Galle über sie ausgeschüttet und alle alexandrinischen Tölpeleien über sie kritiklos zusammengetragen. Freilich hätten moderne Historiker deshalb nicht alle jene Torheiten nachschreiben sollen. Denn dass das Judentum in der heidnischen Welt auch eine andere Beurteilung fand als bei Tacitus, zeigt die grosse Anzahl der Proselyten, die ständig dem Judentum zuströmte. Gerade die vornehmsten und besten Kreise Roms, vor allem die Frauen, fühlten sich lebhaft zur Synagoge hingezogen, ein Beweis, dass deren ständige Besucher keineswegs den abstossenden Eindruck machten, den man gegenwärtig für sie zurecht modelliert. Ein schön gebundenes Bouquet all der gehässigen heidnischen Aeusserungen über die Juden findet man bei Schürer, Geschichte III3, 102ff.; da sehr viele Belege aus den Quellen angeführt sind, soll das ganze den Eindruck objektiver, wahrhafter Forschung machen. Dass Schürer den Mut hat, auch, nach Joel's Auseinandersetzung eine so durchaus einseitige Darstellung zu geben, dass Bousset diese Charakteristik sich aneignet und noch zu überbieten sucht, beweist nicht ihre Wahrheit, sondern nur, dass wo eine Verurteilung des Judentums in Frage kommt, auch das Unmögliche möglich wird. Was will es denn bedeuten, wenn Cicero (in einer Verteidigungsrede noch dazu) das Judentum eine barbara superstitio nennt? Eine superstitio war für den Römer jeder fremde Glaube (das Christentum nennt der jüngere Plinius eine ') a. a. 0. 99ff.; zu denselben Resultaten kommt auch Reinach in der Einleitung zu seinen Texten S. Xfff