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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1904-01-01 · 22.1904 · page 11

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
22.1904
Date
1904-01-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273589--1056-2274833
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— 4 — 1. Suchen wir Urteile über die Pharisäer zunächst bei jüdischen Schriftstellern; so kommt in allererster Linie Josephus Flavius in Betracht. Seine Berichte in den „ Altertümern" und im „Jüdischen Krieg", vor allem aber seine Beurteilung der jüdischen Religion in der Schrift „Gegen Apion" werden uns vielfach beschäftigen. Hier seien nur zwei allgemeine Bemerkungen gestattet: Zur Zeit des Josephus (ca. 100) hatte der Name „Pharisäer" noch keineswegs den üblen Beigeschmack, den er durch die christliche Litteratur erhielt; obwohl er für heidnische Leser und mit unverhohlener apologetischer Tendenz schrieb, hatte Josephus keine Scheu, sich selbst offen als Pharisäer zu bezeichnen (Vita 2, Ende). Ferner sind die Schriften des Josephus nur durch christliche Abschreiber auf uns gekommen, welche alles unterdrückten, was ihrem Glauben ungünstig war. Als Hauptstelle über die drei Richtungen unter den Juden bezeichnet er selbst seine Ausführungen im Jüdischen Krieg; er fasse sich, meint er in den Altertümern, hier kurz, weil er in seinen früheren Werken bereits das Genügende beigebracht habe (Ant. XVIII, 1, 2). Nun steht es in Wirklichkeit so, dass wir heute in den Altertümern über die Pharisäer mehr lesen als im „Jüdischen Krieg". Die Lücke erklärt sich folgendermassen: Da die Pharisäer als die eigentlichen prinzipiellen Gegner des Christentums angesehen wurden, so glaubte man in der Charakteristik des Pharisäertums durch Josephus nicht mehr die Wahrheit zu finden und liess nur stehen, was neben ihrem von den Evangelien entworfenen Bilde sich sehen lassen konnte1). Wichtige Nachrichten über die Verhältnisse im Judentum der damaligen Zeit bietet der Alexandriner Philo; allein seine Schilderungen sind von der ihm eigentümlichen Gedankenwelt beherrscht und treffen mehr auf die jüdische Diaspora zu als auf das palästinensische Judentum. Die Aeusserungen griechischer und römischer Schriftsteller über das pharisäische Judentum sind in der schönen Sammlung von Th. Reinach bequem zugänglich. Die Stimmung, die darin zum Ausdruck kommt, ist nicht gleichmässig. Wir begegnen da den giftigen Angriffen und ränkevollen Lügen der Alexandriner, die den wachsenden Einfluss der jüdischen Religion J) Joel M., Blicke in die ßeligionsgeschichte etc. IT, 54.

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