Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 20.1902
- Date
- 1902-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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- 77 - telt, so ergiebt sich aus der inzwischen verstrichenen Zeit und dem vom Monde innerhalb derselben durchmesseneil Wege die Dauer des tropischen Monats von selbst. Es habe z. B. die Länge des Mondes das erste Mal 62'/«° das zweite Mal 237 betragen, und es seien zwischen beiden Beobachtungen 177,2 Tage verflossen, so hat der Mond in diesen sechs synodischen Monaten offenbar (> Umlaufe vollendet und ausserdem noch 174V/, im Ganzen also 23343/«0 zurückgelegt; mithin 177 2 X 360 würde ein tropischer Monat 2334 75 ~~ 27'^2 ^a»e 0<*er 27 d 7 1» 41 m umfassen. Kennt man die im vorigen Abschnitt (Kapitel 12—13, S. 31—62) dargestellte Bewegung der Sonne, so kann mau die Lange des tropischen Monats ohne Instrument durch blosse Rechnung feststellen. Wenn zwischen 2 Mondfinsternissen wie in dem angeführten Beispiele 177 Tage, 4 Stunden und 48 Minuten liegen, und die Rechnung ergiebt, dass die Sonne in dieser Zeit 1743/4° in ihrer Bahn durchlaufen hat, so wissen wir, dass der Mond in dem gleichen Zeitraum nach Vollendung von 6 Umläufen ebenfalls 1743/4° zurückgelegt hat, da sonst die Finsternis nicht eingetreten wäre; denn wenn der Mond zu demselben Punkte seiner Bahn zurückkehrt, in welchem vor sechs Monaten die Finsternis stattfand, und die Sonne inzwischen weiter gegangen ist, kann er erst dann aufs Neue zu dieser in die Opposition gelangen, wenn er den Vorsprung derselben wieder eingeholt hat. Steht es nun fest, dass derselbe in 177,2 Tagen 6 X 360° 2160° und ausserdem noch 174,75°, zusammen also 2334,75° zurücklegt, so würde er zu einem vollen Umlauf (= 360°) 27,32 Tage brauchen. Diesen Weg schlugen schon die ältesten Astronomen ein, um die Umlaufszeit des Mondes*oder die Dauer des tropischen Monats zu ermittelu. Sie fanden aber bald, dass die Ergebnisse aus den verschiedenen Beobachtungen der Finsternisse mit einander nicht übereinstimmten. Die Unterschiede waren auch viel zu gross, als dass sie der Ungleichheit der Souneubewegung allein auf Rechnung gesetzt werden konnten. Man war daher zu der Annahme genöthigt, dass auch der Mond sich urigleichmässig bewegt. Fortgesetze Beobachtungen ergaben, dass die mittlere Bewegung ebenso wie die beschleunigte und die verzögerte nicht wie bei der Sonne au bestimmte Punkte der Bahn gebunden sind, sondern in jeder Länge und in jeder Breite zu 2