Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 20.1902
- Date
- 1902-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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- 64 -- dieses fünften Kreises bedurft hätte, um eine Theorie ins Wanken zu bringen, deren Haltlosigkeit und Hinfälligkeit durch die erschütterte Autorität ihres Urhebers nur dürftig verhüllt wurde. Wieder verging ein halbes Jahrhundert, da gelang es einem genialen Forscher und begnadeten Denker, das Grundgesetz zu finden, aus welchem alle Unregelmässigkeiten in der Bewegung der Himmelskörper sich auf die einfachste Weise erklären liessen. Schon Kepler war durch graphische Darstellung einer grössern Zahl von Punkten der Erdbahn, deren Entfernungen sowohl unter einander als von der Sonne er auf Grund der Beobachtungen seines Zeitgenossen Tycho Brahe ermittelt hatte, zu der Erkenntnis gelaugt, dass die Bahn der Planeten eine Ellipse bildet, in deren einem Brennpunkte die Sonne steht; aber er konnte diese Thatsache ebenso wenig begründen wie die beiden anderen von ihm entdeckten Gesetze (s. EinL S. 23 «. 24), viel weniger vermochte er die Störungen zu erklären, denen alle diese Bahnen unterliegen. Der tiefere Einblick in den innern Zusammenhang der Kepler'schen Gesetze war Newton vorbehalten, welcher den Grund derselben in einer allbekannten und doch — oder vielleicht grade deshalb — so wenig beachteten Erscheinung fand, in der er zugleich die Ursache aller Ungleichheiten in der Bewegung der Wandelsterne und der Monde erkannte. Wie viele haben vor ihm und wie viele nach ihm einen Apfel schon vom Baume fallen sehen, ohne sich die Frage vorzulegen, warum die Frucht, vou ihrem Zweige losgelöst, dem Mutterschoss der Erde zueilt? Wie oft mochte er selbst schon diese Erscheinung beobachtet haben, ohne dass es ihm in den Sinn kam, nach der Ursache derselben zu forschen! Wo sollte denn der Apfel sonst hin, wenn nicht zur Erde? Als aber in einem glücklichen Augenblicke der grosse, unermüdliche Forscher den wunderbaren Einfall hatte, sich von dieser so einfachen und natürlichen Thatsache Rechenschaft zu geben, da legte er schon den Grundstein zu jenem grossartigen Lehrgebäude, das er später zum grössten Theile selber «aufgeführt und mit eigener Hand gekrönt hat, den späteren Geschlechtern nur wenig Raum zu weiterer Ausgestaltung übrig lassend. Er fand, dass dieselbe Kraft, welche die vom Baum - getrennte Frucht, das vom Dache sieh lösende Steinchen, wie den in der Wolke sich bildenden Tropfen unwiderstehlich zur Erde