Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 19.1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- – (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2273546-2273583--0850-2274624- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
- 42 - schon umgekehrt. Das Proömium scheint sich hier schon zu einem selbständigen homiletischen Gebilde auswachsen zu wollen, das nicht mehr blos Einleitung, sondern auch schon die Ausführung der Rede sein soll. Darum ist es auch räumlich ziemlich ausgedehnt, während die Perikopen-Auslegung selten mehr als 3—5 Verse, und auch diese nur in synthetischer Weise behandelt, d. h. so, dass nur jene Stellen der Perikope herausgewählt werden, die mit dem Thema des Proömiums in einem logischen Zusammenhang stehen. Diese Vergleichung zeigt demnach, dass Gen. r. uns durchweg gewissermassen Schrifterklärungen bietet, während Lev. r. und die Pesikta d. R. K. auf dem besten Wege sind, die synthetische Predigt herauszubilden, die wohl zur Zeit uoch, wenn auch nur einen Teil der ehemaligen Perikopen-Auslegung als traditionellen Ballast mit sich führt, die aber offenbar auf seine völlige Beseitigung schon abzielt1). Hieraus ergiebt sich aber für die Zeitfolge der drei genannten Sammlungen, dass die Predigten des Gen. r. einer viel älteren Zeit als diejenigen des Lev. r. und der Pesikta d. R. K. angehören. Da indessen Gen. r. bei genauerer Prüfung seiner ') Hiermit ist die nächste Phase in der Entwickelung der jüdischen Predigt, die hier nicht mehr behandelt werden soll, bereits angedeutet. Die Fortsetzung der vorliegenden Arbeit wird zeigen, wie die Perikopen-Auslegung von der Predigt gänzlich ausgeschieden wird, und wie dann beide, Predigt und Perikopen-Auslegung getrennte Wege gehen. Die Predigt, die in ilirer Ausführung die Rückkehr zur Perikope nrchtmehr zu beachten braucht, (Vgl. oben S. 21 und 83 Anm. 3) macht jetzt den ehemaligen Proömialtext zu ihrem eigentlichen Text, dessen Inhalt sie darlegt und aasspinnt, beweist und beleuchtet; und sie gewinnt erst dadurch allmählich jene Form der Predigt, die mit geringen Modifikationen sich bis auf diesen Tag gleichgeblieben ist. Die ehemalige Perikopen-Auslegung aber wird jitzt zur reinen Schrifterkläruug, die freilich nnr erbaulichen Zwecken dient; und da der Fentateuch bereits in der älteren P.-A. der Predigt in dieser Weise bearbeitet ist, so wendet sie sich den nichtpentateachisehen Büchern der Schrift zu, den fünf Rollen, Psaalmen etc., wobei sie ihren Stoff in erster Reihe den zahllosen älteren Proömien entlehnt, in denen ^gerade hagiographische und prophetische Texte erklärt und besprochen wurden. So entsteht im Laufe der Zeit einMidraschiacher Kommentar zu allen Büchern der heiligen Schritt.