Mannheim
Compact Memory

Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1901-01-01 · 19.1901 · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
19.1901
Date
1901-01-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2273546-2273583--0815-2274589
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

auszusetzen hatte? Ein vom Rabbi empfohlener Gelehrter brauchte sich doch wohl nicht erst einem Examen rigorosum zu unterwerfen? und zu Examinatoren hätten sich die schlichten Gemeindemitglieder gewiss am wenigsten geeignet. Zu beachten ist ferner, dass man ursprünglich nur eine, und zwar eine halachische Frage, dem Prediger vorzulegen gedachte, und die zweite, ebenfalls halachische Frage nur darum an ihn richtete, weil er die erste nicht beantwortet hatte, und dass man mit der dritteu Frage erst dauu auf das agadische Gebiet überging, als der Prediger die Ausfrager durch sein fortgesetztes Schweigen auf die Vermutung brachte, dass er kein Ilalachist sei (]sbm 13 jvS KdSt ITC»)- Offenbar haben wir es hier mit einer feststehenden Einriehtuug der alten Zeit zu thun, wonach die Predigt mit einem halachischeu Exordium begann. Hierbei gebrauchte man ohne Zweifel stets die aus den Tanchumas und der Pesikta r. uus bekannte Ilöflichkeitsformel Mfl 1310^j welche hier nur deshalb fehlt, weil der ganze Vorfall nur als Bericht erscheint, und weil es dem Prediger bei Benützung desselben zur Itlustrierung seines Proömialtextes nur auf das merkwürdige Ereignis, nicht aber auf die Form der Einkleidung ankam. Uebrigens mag dem Sammler des Gen. r.,- der, wie wir weiter sehen werden, in eiuer Zeit lebte, wo die ganze Einrichtung schon seit Jahrhunderten nicht mehr in Uebung war, jene Anrede nicht mehr geläufig gewesen sein, wie ja auch die Redaktoren des Num. r. und Deuteron, r. aus dem gleichen Grunde sogar in den aus den Tanchumas entlehnten halachischen Exordien statt des ursprünglichen tfiD^ den Ausdruck fßfcl gesetzt haben1). Die Jelamdenu-Formel der Einleitung ist also uralt, und hat Jahrhunderte lang die Predigt beherrscht. Erst in den Tagen R. Jizchak Nappacha's beginnt man auch mit Proömien ohne halachische Exordien, bis die letzteren endlich ganz aus der Uebung schwinden. Tauchuma scheint noch der letzte Prediger gewesen zu sein, der diese Form der Einleitung mit Vorliebe anwandte, und vielleicht auch aus diesem Grunde *) Vgl. Bacher Die Agada <L pal. AmorSer III S. 607,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.