Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 18.1900
- Date
- 1900-01-01
- Page
- – (sequence 87)
- Language
- German
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— 88 — baniten Spaniens kein Glück hatten, so waren sie um so wichtiger für das Karäerthum in Spanien. Schon Ibn Hazm berichtet, dass es zu seiner Zeit, also in der ersten Hälfte des XI. Jahrhunderts in Andalusien, und zwar in Toledo und-Talavera Karäer gegeben habe1), aber bis zum Ausgange dieses Jahrhundert scheinen sie sich nicht besonders bemerkbar gemacht zu haben. Erst im zwölften Jahrhundert2) scheint ihre Propaganda reger geworden zu sein und es ist wahrscheinlich, dass die karäische Gemeinde in Toledo, von deren Existenz schon lbn Hazm weiss, dabei die Hauptrolle gespielt hat. Daraus ist es zu erklären, dass eben die drei Toledaner: Jchuda Halewi, Abraham b. Ezra und Abraham b. Dawüd mit karäischen Dingen am meisten vertraut sind und dass der letzte, der bis zu seinem Lebensende in Toledo blieb, die Karäer am schärfsten bekämpft. Von den Aeusserungen dieser drei Schriftsteller will ich nur diejenigen Jchuda Halewi's und. Ibn Dawüds hier hervorheben. Jchuda Halewi erwähnt von den karäischei} Schriftstellern nur Anan, Saul und Benjamin (Nchäwendi5) es steht aber ausser" allem Zweifel, dass er auch andere karäische Schriften gekannt hat. Dies geht schon daraus hervor, dass er ihre Art* dogmatische Fragen zu behandeln, vcrnrthcilt, indem er es ihnen zum Vorwurfe' macht, dass sie „ohne Vorbereitung an metaphysische Fragen herantreten"4). Damit ist aber die Methode der MuHaziliten gemeint, welche ihre Werke mit der Untersuchung über die Schöpfung der Welt beginnen. Die erwähnten Karäer sind aber keine Dogmatiker im Sinne des Mu'tazilismus, J. II. kann also hierbei nur an Jos. al-Basir oder Jcschu'a, deren Kenntniss wie wir schon gesehen, bei seinen Zeitgenossen nachweisbar ist, gedacht haben. Die Karäer gelten ihm mit Recht als die Ahl al-ra'j walkijas sowohl in der Dogmatik, als auch in der Gesetzeskunde, die alle Fragen durch sclbstständige Untersuchung lösen wollen. J. H. hat hier ebenso die Formel für die Verurtheiiung des Karäerthum, wie die Karäer ihre Methode in der Gesetzeskunde dem Islam entlehnt. ') S. Monatsschrift f. Gesch. n. Wiss. d. Judenthums 18S5, S. 139. 2) Ob Jcschu'a schon von Moses Ilm Gikatilla angeführt wird, scheint mir zweifelhaft zu sein. Vgl. Poznanski, Mos. Ibn Chicmitilla, S. 48,103 und Ibn Ezra zn Joel 3, 1. 3) Al-Chazaii III 88. *) Ebenda, V, 2. VgL auch V 21.