Mannheim
Compact Memory

Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1900-01-01 · 18.1900 · page 78

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
18.1900
Date
1900-01-01
Page
– (sequence 78)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2273546-2273581--0750-2274523
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 79 — einem so beschaffenen Wesen gesprochen habe, so antworten wir hierauf, dass wir dies nicht mit Bestimmtheit behaupten, wir behaupten es nur als Wahrscheinlichkeit. Das Wahrscheinliche ist aber, dass wenn die Schrift sagt: „Und es sprach Gott: es werde Licht!" so ist der wahre Sinn der einfache Wortsinn. Wenn man aber den eigentlichen Sinn beibehalt, so ist dies besser, als wenn man den metaphorischen Sinn, d. i. „er wollte", „er wünschte" annimmt" Die Auslegung, die hier abgewiesen wird, ist bekanntlich diejenige des Sa'adja und dass die buchstäbliche Auffassung der Worte: „und Gott spricht" von Ibn Däwüd als eine grcuelhaftc Lästerung betrachtet wird, ist nur natürlich. Jeschu'a hat aber noch andere Fragcn; in Betreff des Ursprungs der Sprache zu beantworten. Die ösgic der Sprache durch die Laute kann nur durch die Artikulirung und durch eine gewisse Zusammensetzung der Laute stattfinden, daraus folgt, dass dabei eine bestimmte Ordnung zu beobachten sei. So wie es aber unmöglich ist, dass jemand ohne Kcnntniss (der Sache) eine specielle Anordnung treffen könne, sc ist es auch unmöglich, dass die Sprachschöpfung ohne diese Kenntuiss geschehe. Also musste der Schöpfer der Sprache die Worte und ihre Qualitäten vorher kennen. Diese Frage wird von Jeschu'a folgend erfassen gelöst. Ks ist wohl wahr, dass ein geordnetes Werk nur von einem Wissenden herrühren kann, das ist auch der Fall bei der Sprache, nachdem sie schon festgestellt ist. Eine bestimmte Art der Zusammensetzung, der Sprachschöpfung entsprechend, kann nur von Seiten dessen stattfinden, der die Sprache kennt. Darum kann ja Niemand, der des Arabischen unkundig ist, zufällig eine grosse Kasida dichten. Das ist aber nicht der Fall bei den Anfängen der Sprache, derjenige, der den Laut in seiner Macht hat, der dessen Sin/i kennt, konnte nach dem gegenwärtigen Bedürfniss ihn ins Dasein rufen, er hätte es auch anders machen und den spcciellcn Laut als er ihn ins Dasein gerufen nach Belieben zum Namen eines bestimmten Körpers oder zu einem Prädicatc dessen oder zu irgend etwas Anderem machen können, so dass wenn der Andere den erwähnten Zustand des Sprachschöpfers kannte, so konnte er zu ihm sprechen. Der Einwand, dass nach dem, was dem Menschen einfällt ohne Zwang die Ordnung der Buchstaben unmöglich sei, wenn der Mensch nicht vorher die Sprachschöpfung und die Ordnung der Buchstaben kennt, ist unrichtig, denn die Vernunft besitzt die Macht

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.