Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 18.1900
- Date
- 1900-01-01
- Page
- – (sequence 58)
- Language
- German
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— 59 — anlasst Jeschu'a za folgenden Auseinandersetzungen. Die sittliche Berechtigung der Staig der Sprache kann nur von dem bestritten werden, der da leugnet, dass der Mensch durch die Vernunft zur Erkcnntniss des Guten und Bösen gelangen könne, vielmehr sei er hierin ausschliesslich auf die Offenbarung der Prophotcn angewiesen1). Diese Ansicht, welche Jeschu'a für eine höchst verkehrte hält, wird von ihm folgendermassen widerlegt. Eine jede That, von der jemand weiss, dass seine Seele sie will, und er hat von ihr weder in dieser, noch in jener Welt üble Folgen zu befürchten, ist ihm gestattet. Das gilt von allen menschlichen Handlungen, deshalb können wir gehen und stehen an allen Orten, die niemandem gehören. Ebenso dürfen wir das Gras des Feldes, oder das Wasser eines Stromes gebrauchen und dies Alles kann nur von Narren bezweifelt werden. nWas aber die Leute, welche glauben Gott und dem Schöpfer zu dienen, dahin geführt hat, sich aller Thaten, die sie ausführen möchten, zu enthalten, wenn sie vom Propheten ihnen nicht erlaubt werden, ist der Umstand, dass sie sich eines Analogieschlusses zwischen dieser Sache und den Dingen, welche unter den Menschen bestehen, und ihnen bekannt sind, bedienten. Sie irrten sich aber in Betreff der Unterscheidung zwischen dem, was unter uns vorhanden ist und zwischen den Dingen, welche sich auf Gott bezichen, wie wir das darlegen werden. Dennoch meinen diese und geben zu, dass wir von Vernunftwegen das Recht haben, zu athmen, die Augen zu öffnen, Hände und Füsse zu bewegen, aber wenn sie es auch nicht offen sagen, im Wesen ist ihre Ansicht derjenigen gleichzuachlcn, nach welcher der Mensch von sich selbst gar nichts und alles nur aus den Worten der Propheten wisse, auch dass er die Augen öffnen und dass er riechen dürfe. Es gibt auch andere, welche zwar diesen zwei unsinnigen Ansichten siel) nicht anschliesscn, aber ebenfalls Irrthümern huldigen, welche auf denselben Fehlern beruhen". Die eigene Ansicht Jcschu'as ist die, dass „wir einen Unterschied zwischen dem Guten und Bösen machen, so wie wir durch unser Auge das Schwarze vom Weissen unterscheiden." Wer das leugnet, ist entweder verrückt oder ein Heuchler. Eine andere Ciasse ist der Ansicht, dass ebenso wie es uns nicht gestattet ist, das Eigenthum eines anderen Menschen ohno *) Ez chajim S. 100. nwyi pi ns rvn» kS awn ,jnm 2ion o d'iöih r-» mmun myi pi jn n»n» »b;nm »i«n. Aliron b. Elia folgt Josef al,-Ba$ir Hobt. 60 b, 76 äff. i