Mannheim
Compact Memory

Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1900-01-01 · 18.1900 · page 57

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
18.1900
Date
1900-01-01
Page
– (sequence 57)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2273546-2273581--0729-2274502
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 58 — Diese Ausführungen Josef al-Basirs, dio in ihrer Schlichtheit an manchen Stellen beinahe den Eindruck des Erhabenen machen, zeigen uns, dass in seinem System das Princip der Moral das absolute sittliche Urtheil ist, welches fiir den Menschen, wie für Gott das nämliche ist und er hat es auch verstanden, seine Lehre aus den Thatsachcn des Gewissens abzuleiten. Wie aus dem oben mitgeteilten Inhalts-Verzeichnisse des Werkes von ihn Mattawejhi ersichtlich ist, hat auch er mehrere kurze Capitel über denselben Gegenstand, weiche an Subtilität Josef al-Basirs Ausführungen übertreffen, sie lassen aber mit der Einfachheit auch die Erhabenheit der Auffassung vermissen. Diese Lehre war es nun, welche von den Aä'ariten bekärnplt und verworfen worden ist1). Die Mu'taziliten haben Jahrhunderte hindurch gegen sie gekämpft, wie das aus dem Werke Ibn Mattawejhi's hervorgeht und wie wir das aus den Werken Jcschu*as erfahren. Dieser kömmt sowohl im Ber. r. als auch in der Einleitung zum religionsgesctzlichen Werke2) hierauf zu sprechen und um Wiederholungen zu vermeiden, wollen wir die Stellen in beiden Büchern hier besprechen. Im letzteren Werke behandelt Jcschu'a die Frage, ob die Schöpfung der Sprache3) sittlich berechtigt gewesen sei. Diese cigenthümliche Frage hängt mit dem Streit der islamischen Dogmatiker darüber zusammen, ob es gestattet sei, von Gott Bezeichnungen zu gebrauchen, welche im Koran und in der Sünna nicht vorkommen. Die orthodoxe Lehre ist, dass die Namen Gottes geoffenbart sind und also neue Bezeichnungen für das Wesen und die Eigenschaften Gottes nicht ersonnen werden dürfen. Manche Aä'ariten folgten hierin der Anschauung der orthodoxen Imamc, die auch von Männern, wie Ibn Ilazm*) und Ibn Tcjmija5) vertreten wurde, dass man von Gott nur das aussagen dürfe, „womit er selbst sich benannt hat* Dem gegenüber lehrten die Mu'taziliten, dass es gestattet sei nach Massgabo der Erkenntniss, die der Mensch sich vom Wesen und den Eigenschaften Gottes errungen hat, neue Gottesnamen zu gebrauchen6). Diese Frage, die wir weiter unten noch ausführlicher zu erörtern haben werden, ver- J) S. die von mir K.IL. S. 56 A. 1 angefühlten Stellen. 2) Anhang, S. IXf. Cod. Warn. 41 BL 163. 3) ppn: XiUl *x=5 4) S. Goldziher, die Zdiiiriten, S. 144 ff. 5) ZDMG. LH, 542 f.* •) Al-ift S. 161t

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.