Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 18.1900
- Date
- 1900-01-01
- Page
- – (sequence 59)
- Language
- German
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— 60 — seine Erlaubniss zu benutzen, also dürfen wir auch nicht in der Welt, die das Eigenthum Gottes ist, irgend etwas ohne seine Erlaubniss thun oder zu unserem Gebrauche verwenden. Diese Ansicht haben auch Juden für richtig gehalten, indem sie sagten, dass wenn es in der Schrift nicht heissen würde (Gen. 1,29): „Und es sprach Gott: Siehe, ich habe alles Kraut, das Samen bringt, euch zum Essen gegeben" so würde es uns nicht gestattet sein, Kraut und Pflanzenkost zu uns zu nehmen." Dies ist eine nichtige Ansicht, meint Jeschu'a, denn die Pflanzen fühlen keinen Schmerz, die Thiere wohl, und nur die Propheten haben es gestattet, sie zu tödten und zu unserem Gebrauche zu verwenden und wir denken, dass Gott ihnen ihre Schmerzen vergelten wird1) und darum üben wir auch keine Ungerechtigkeit gegen sie. Gegen Gott üben wir aber kein Unrecht, wenn wir die Dinge zu unserem Nutzen gebrauchen. Gegenüber dem Einwurf, die Welt sei noch in einem höheren Sinne das Eigenthum Gottes, als irgend ein Besitz das Eigenthum eines Menschen, führt Jesehu'a aus, dass das Eigenthum eines Menschen für andere nicht deshalb verboten sei, weil es dessen Eigenthum ist, sondern weil durch die Wegnahrae desselben ihm Schmerz verursacht würde. Weiter bemerkt er auch, dass bei der lügnerischen Rede, die Lüge selbst die Ursache dessen sei, dass sie verboten ist, und wenn jemand sie erlauben würde, so würde sie den noch rächt erlaubt sein. Das Zufügen des Schmerzes allein ist nicht die Ursache der Verbote, weil wir dann annehmen müssten, das Gott die Bösewichter nicht bestrafen und niemals einen Schmerz zufügen dürfe, „denn eine jede Sache, die wegen einer Ursache verboten ist, bleibt überall, wo die Ursache vorhanden ist, verboten". Nachher spricht Jeschu'a von einer dritten Ansieht^ die wir aber, weil sie sich ausschliesslich auf die Gottesnamen bezieht, hier nicht behandeln wollen. Die Ansichten Jeschu'as zeigen uns aber, dass die Mu'taziliten dass sittliche Urtheil als eine elementare Thatsache der Vernunft betrachtet haben, die für Gott ebenso giltig ist, wie für den Menschen, eine Thatsache, deren Bedeutung nicht unterschätzt werden dart. Seine Darlegungen sind auch deshalb von Interesse, weil sie ausführlich die Gründe der mu'tazilitischen Ansichten vorführen, was in den islamischen Werken über die Usül al fikb, in denen >) S. KJL. S. 29.