Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 18.1900
- Date
- 1900-01-01
- Page
- – (sequence 56)
- Language
- German
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- 67 — gleicher Weise benutzt werden können, da ist es keine Pflicht, dass wir dem einen Wege vor dem anderen den Vorzug geben, da ihr Zustand mit Rucksicht auf das Bcdürfniss ein gleicher ist und jedem von beiden kann vor dem Anderen ganz gut der Vorzug gegeben werden. Hiervon sind aber Wahrheit und Lüge verschieden, denn wir geben der Wahrheit das Uebcrgcwicht, weil das Gute scino Forderung erhebt. Wäre es so, wie der Gegner behauptet, dass der Nutzen die Forderung stellt und nicht das Gute, und dieser wäre in gleicher Weise von der Wahrheit und der Lüge zu orwarten, so wäre es nicht unmöglich, zuweilen die letztere der erstcren vorzuziehen, sowie wir von den beiden Wegen den Einen dem Anderen vorziehen." ' „Femer steht es ja fest, nach dem was wir vorausgeschickt haben, dass man Ihm, gelobt sei Er, weder nützen, noch schaden kann, er hat aber die Welt erschaffen und wir wissen, dass dies von ihm gut war, wenn aber das Gute ihn nicht aufgefordert hätte, würde Solches von seiner Seite nicht geschehen sein. Ferner kennen wir ia den Unterschied zwischen dem, der Böses und dem der Gutes gethan hat, wie sie sich entschuldigen mit ihrer Antwort gegenüber demjenigen, der sie zur Rechtfertigung auffordert. Wenn dieser einem sagt: „Wozu hast du die Schlechtigkeit begangen?" antwortet er ihm, indem er auf seine Noth hinweist oder indem er zeigt, dass er von der Schlechtigkeit seines Thuns nicht gewusst habe. Wer aber Gutes gethan hat, wird nicht also antworten, ja er wird es sich verbitten, dass man ihn zurechtweise oder bestrafe, indem er sagen wird: „Was ist denn daran, dass du mich um derentwillen bestrafst?" Wenn er nicht zu denen gehört, denen klar geworden ist, was wir sagen, dass bei der guten Sache das Gute daran ruft, so wird er sagen: „Warum verbietest du mir, dass ich den Verirrten führe? was für eine Sünde oder was Schlechtes ist denn daran?" Weiss er aber, was wir gesagt haben, so wird er antworten: „Das Gute an dieser Sache hat n>x4»^c.z^aufgcfordert", der Missethätcr wird aber dies nicht zur Antwort geben können." „Nachdem wir also dargelegt haben, dass die Beschaffenheit des Bösen von der des Guten sieh darin untrscheidut, dass es nur aus Unwissenheit oder aus Noth gethan wird, dies aber von Gott entfernt ist, so folgt daraus notwendigerweise, dass er rein ist vom Bösen, sowie auch dass es möglich sei, dass er das Gute wegen der Güte desselben thue, womit auch hinfällig wird, was die Gottlosen an Raisonncmcut über beido gegen uns schreiben."