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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1900-01-01 · 18.1900 · page 6

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
18.1900
Date
1900-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273581--0678-2274451
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— 7 — Dass die mu'tazilitische Lehre von manchen Si'iten auch bekämpft wurde, ist wohlbekannt. Eine andere Frage ist die, inwiefern hat der Mu'tazilismus Elemente aus der persischen Volksreligion aufgenommen, inwiefern ist er Neigungen und Traditionen der Perser entgegengekommen oder ist er gar als Reaktion des persischen Geistes auf die Lehre des Islams entstanden? Für die Entscheidung dieser Frage ist vor Allem zu beachten, wie sich die Religionsurkunden und die theologischen Schriften der Ferser über dio Hauptfragen der mu'tazüitischen Lehre äussern. In einem Fragmente aus dem Pehlcvi Vendidad ist von dor Bestimmung des Schicksals die Redo, die allerdings nach dem Kommentar sich nur auf die „Dinge der materiellen Ordnung" bezichen soll, während die Dinge der „geistigen Ordnung" durch das Thun entstehen *) „Manche sagen, hoisst es weiter, Weib, Kinder, Reichthümer, Herrschaft kommen vom Schicksal, die anderen Dinge durch die That. Das Gute, das dem Menschen nicht bestimmt war, erlangt er nie; was ihm bestimmt ist, kömmt ihm zu durch sein Thun, durch seinen Fohler verliert er es. Wenn ihm Uebles bestimmt war, so kann er es abwehren, durch sein tugendhaftes Thun." In der Pehlevi-Littcratur, so weit sie mir in UÜbersetzungen zugänglich ist, wird diese Anschauung noch eingeschränkt. „Das Schicksal ist es, so heisst es im Minöchircd, welches über Jedermann und jedes Ding herrscht."3) Es wird aber auch angenommen, dass das Gebet und die guten Werke durch den Einfluss der göttlichen Vorsehung dem Menschen nützen können.3) In dem Sikand Gümänik Vigar4) finden wir in der Polemik gegen das Christenthum eine Stelle, an welcher dio Lehre, dass Gott den Menschen mit freiem Willen geschaffen habe, verworfen wird, mit der Begründung, dass, wenn nun der Mensch aus freiem Willen sündige, so ist Gott, der Urheber auch des letzteren, *) J. Darmesteter, Le Zend-Avesta III 44. 2) Sacred Books of the Bast XXIV Gap. 47 S. 89. s) Ebenda S. 55. So heisst es auch in einer Tradition bei al-Tirmidhi II S. 20 Z. 15 ,J> Oo^ *U.XjI y\ tUaaäj! j**lo *JJ| 6y»j v3l5 j*Jj ^1 j**3l. Das ist aber nicht die mu'tazilitiache, sondern die orthodoxe Anschauung. *) Ebenda S. 236.

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