Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 16.1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
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welche die Himmelsknnde den Arabern verdankt, auf dem Plaue des Ptolemäisehen Systems, welches selbstverständlich auch der Neumondsbcrechnuug unseres Autors zu Grunde liegt. Der Neumond oder der Zeitpunkt, in welchem der Mond zwischen der Erde und der Sonne steht, ist uaturgemass von der Bewegung sowohl der Sonne als des Mondes abhängig, die zwar in derselben Richtung von West nach Ost gemäss der Reihenfolge der Zeichen, jedoch in verschiedenen Umlaufszeiten ihre Bahnen vollenden. Um uun den wahren Ort der Sonne für jedes beliebige Datum der Vergangenheit wie der Zukunft zu ermitteln, inuss man folgende vier Bestimmuugsstücke kennen: 1. ihre mittlere Lange für irgend einen Zeitpunkt, die sogenannte Epoche, 2. die Exzentrizität ihrer Bahn, 3. die Länge ihres Apogäums, 4. ihre Umlaufszeit. Um. den Ort des Mondes zu berechueu muss mau ausserdem noch 5. die Neigung seiner Bahn gegen die Ekliptik und 6. die Länge des aufsteigenden Knotens (des sog. Drachenkopfes) kennen1). Diese Bestimmuugsstücke heisseu die Elemente der Bewegung. Soll aber, wie es hier gefordert wird, auch die Frage beantwortet werden, ob der neue Mond an einem näher bezeichneten Abend über dem Horizonte eines bestimmten Ortes schon sichtbar sein könnte, so müssen noch die gewonnenen Ergebnisse in derselben Weise, w ie wir dies oben (S. 19—21) au dem Beispiele des Sirius gezeigt haben, in Azimut und Höhe umgerechnet werden. Zur Epoche hat Maimonides den Beginn der Nacht vom 22. auf den 23. März de» Jahres 1178 gewählt, das Jahr vermuthlich mit Rücksicht auf die Abfassuugszeit dieser Abhandlung, die Jahreszeit wegen der Nähe des Frühlingsäqumoktiums, das Mouatsdatum und die Tageszeit wegen der Neumoudsphase. Es war die Nacht vom 2. auf den 3. Nisan, in welcher damals die schmale Sichel des Mondes zum ersten Male nach seiner Konjunktion kurze Zeit sichtbar war. Die Jahreszahl wird zuerst nach jüd Zeitrechnung angegeben (4938), dann nach der in Urkunden häufig angewandten Seleuzidenära, deren Beginn Maimonides in das Jahr 12 nach dem Tode Alexanders des Grossen setzt, und endlich nach der sonst nicht üblichen Zeitrechnung von der Zerstörung Jerusalems au, deren er sich wohl im Hinblick auf Ps. 137, 5-6 pietätsvoll bediente. Die Zeitangabe bezieht »ich auf die Ortszeit der heiligen Stadt, deren geographische Breite nahezu 32° (genauer 31° 47') beträgt. Als ersten Meridian zur Bestimmung der geographischen Länge wählt er den durch die Mitte der bewohnten Welt, gehenden. Da die weltliche Halbkugel der Erde noch nicht entdeckt war, konnte man damals wohl von einem Mittelpunkt der Erdoberfläche (dem „Nabel der Erde", psn sprechen; Maimonides drückt sich aber vorsichtig aus und -sagt nur yatrn V'JSS. Als solchen scheint er den 58. Grad östlich von Greenwich angesehen zu haben. Für alle Orte, die auf demselben Parallelkreise östlich oder westlich von Jerusalem liegen, tritt der Beginn der Nacht früher bezw. später ein, für alle diejenigen, die auf demselben Meridian nördlich oder südlich von Jerusalem liegen, im Winter früher und im Sommer später. Dass er aber grade die heilige Stadt zum Ausgangspunkte genommen, begründet der Verfasser damit, dass in der Regel dort der Sitz des Gerichtshofes war, vor welchem die Zeugen, die den neuen Mond gesehen haben wollten, zu erscheinen hatten (s. S- 1); doch sollen in der Darstellung der Berechnuugsmethode auch die Orte berücksichtigt werden, die in einem Umkreise von 3° (ungef. 45 geogr. Meilen) liegen, obgleich doch nur aus Orten, die höchstens eine Tagereise entfernt waren, Zeugen erwartet werden konnten, weil ausnahmsweise der Gerichtshof auch ausserhalb Jerusalems in irgend einem Theile des gelobten Landes sich versammelte. Von dieser Epoche ausgehend, behandelt nun der Verf. im ersten Abschnitt (Kap. 12—13) die Berechnung des wahren Sonnenortes, im zweiten (Kap. 14—16) die des wahren Mondortes, im dritten (Kap. 17) die Ermittelung des Höhenunterschiedes zwischen den beiden Oertern. Dann folgt (Kap. 18) ein Schlusswort und zuletzt (Kap. 19) ein Anhang über die Deklinationen der Ekliptik von 10 zu 10 Grad. ») VgL Gauss a. a. 0. § 48.