Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 16.1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
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von Z nach O uud sie selbst von N nach q gelangt ist, den Bogen Zq, also thatsächlich eine grossere Strecke zurückgelegt, als ihr im nächsten Quartal bevorsteht, iu welchem ihr Epizykel /war von O nach C sich bewegen, sie selbst aber von q nach L zurückkehren wird. Es ist leicht einzusehen, dass man mit Hilfe dieser Hypothese auch die Uückläutigkeit der Planeten erklären kann, wen man nur dem Wandelstern und seinem Epizykel verschiedene Umlaufszeiteu giebt. So scheint z. B. ein in q stehender Planet, der sich, sei es über L in der Beweguugsrichtung seines Epizykels, sei es in der entgegengesetzten Richtung über N in derselben Zeit nach p bewegt hait, in welcher der Mittelpunkt des letzteren nur von O nach q gelangte, den Bogen qO, den er bereits durchlauten hatte, zurückgegangen zu sein, während er in Wahrheit den Bogen qLp hezw. qNp, immer in derselben Richtung vorwärtsstrebend, zurückgelegt hat. Doch genügte diese Annahme noch nicht, um auch die übrigen Unregelmässigkeiten iu der Bewegung der Planeten zu erklären, weshalb man es mit einer Kombination beider Hypothesen versuchte. Zu einer soleheu sah sich Claudius Ptolemäus auch beim Monde veranlasst, nachdem er durch fleissige Beobachtung desselben die Entdeckung gemacht hatte, dass die einfache Anomalie — die einzige bis dahin bekannte, da vor ihm der Lauf des Mondes nur mit Rücksicht auf die Finsternisse, also nur zur Zeit des Neumonds und des Vollmonds, der sogenannten Syzygien beobachtet wurde — in Wahrheit nicht die einzige wäre. Ks braucht nicht erst gesagt zu werden, dass alle diese Kombinationen, so geistvoll sie auch waren, uud mit welchem Scharfsinn sie auch ausgeklügelt sein mochten, auf die Dauer nicht Stand hielten und immer wieder durch neue ersetzt werden mussten, so oft eine aufmerksamere Beobachtung ihre Unzulänglichkeit erkennen liess. Immer neue Verschiebungen der Kreise wurden vorgenommen, immer neue Epizykel auf einander gethürmt, bis schliesslich die ganze Theorie so verwickelt wurde, dass es keine leichte Aufgabe war, sich in dieser Wirrsal von Sphären und Epizykeln, von konzentrischen und exzentrischen Kreisen, durch deren geschickte Anordnung man die Lehre von der gleichmässigen Bewegung in vollkommenen Kreisen mit den Ergebnissen der Beobachtung in Einklang zu erhalten bemüht war, auch nur eiuigermaassen zurechtzufinden. Es war eben die Grundanschauung der Alten eine durchaus falsche, die geozentrische Weltanschauung, nach welcher unsere winzige Erde den Mittelpunkt des Universums bildet, um den sich in wörtlichem wie in figürlichem Sinne das ganze ungeheuere Weltall dreht. Infolge dieses Irrthums waren ihnen viele Beweguugserscheinungen am Himmel ein grosses Räthsel, an dessen Undurchdriuglichkeit der Scharfsinn der begnadetsten Denker und . der eifrigsten Forscher scheitern musste. Zwar hat es auch im Alterthum au Männern nicht gefehlt, welche die Wahrheit ahnten und die filr jene Zeit sehr kühne Ansicht vertraten, dass der Wechsel von Tag und Nacht nicht durch die Bewegung des Himmels, die nur eine scheinbare wäre, sondern durch eine Umdrehung der Erde um ihre Axc herbeigeführt würde, der Wechsel der Jahreszeiten aber nicht durch den Lauf der Sonne um die Erde, sondern umgekehrt durch den Lauf der letzteren um die erstere. Schon Plato hat darüber eine unklare Andeutung gemacht, mit voller Bestimmtheit aber hat es Aristarch von Sa mos (der deshalb von Kleauthes des Frevels au der Gottheit angeklagt wurde, da er die Ruhe der Erdgöttin Hestia störe) ausgesprochen, dass die Erde sich um ihre eigene Axe uud zugleich in einem schiefen Kreise um die Sonne bewege. Allein das war noch keiu wohldurchdachtes System, noch weniger eine wissenschaftlich begründete und gehörig ausgebaute Theorie, es war vielleicht nur ein glücklicher Einfall, im besten Falle eine keimfähige Anregung, die aber leider auf unfruchtbaren Boden fiel. Claudius Ptolemäus hat ein besonderes Kapitel seiner Mathematike Syntaxis (das 6. im ersten Buche) der Widerlegung dieser Ansicht gewidmet, uud da dieses Werk den arabischen Astronomen als höchste Autorität galt, so darf man sich nicht wuudern, dass auch sie in dem Banne seiner Anschauungen befangen waren, und keiner von ihnen den Gedanken einer Bewegung der Erde wieder aufnahm, zumal man dem Almagest die Anerkennung nicht versagen kann, dass er ein festgefügtes, in allen seinen Theilen ebenso geschickt wie gründlich ausgearbeitetes System bietet. So bewegen sich denn alle Fortschritte,